- © apa/Erwin scheriau
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Graz. Dass Siegfried Nagl ein eigenständiger Kopf ist, hat er in seiner langen, politischen Karriere schon oft bewiesen. Zuletzt etwa, als er als einer der wenigen ÖVP-Politiker das "Don’t smoke"-Volksbegehren öffentlich unterstützte - und darüber hinaus entgegen der offiziellen Parteilinie eine Volksabstimmung forderte. Zumeist war sein Kurs auch erfolgreich, auch wenn der Weg von wechselnden politischen Einstellungen und Koalitionspartnern gepflastert war. Ein Bündnis mit den Grünen scheiterte an Bruchstellen wie Bettel- und anderen Verboten, Verkehr, Umweltzone und vor allem dem Murkraftwerk.

Als sich Nagl 2017 der Wahl zum Grazer Bürgermeister stellte, ging er trotz des Gegenwindes als haushoher Sieger hervor. Dem fulminanten Wahlsieg mit knapp 38 Prozent der Stimmen folgten seine vierte Amtszeit und eine Koalition mit den Freiheitlichen. Nun scheint es, als würde der Langzeitbürgermeister erstmals in seiner politischen Karriere eine dauerhafte Krise erleben. Sein offensichtlichster Misserfolg ist zweifellos die geplatzte Olympia-Bewerbung, für die er sich weit aus dem Fenster gelehnt hatte.

Geplatzte Olympia-Bewerbung


Gemeinsam mit dem Schladminger ÖPV-Kollegen Jürgen Winter wollte er die Olympischen Winterspiele 2026 ins Land holen, machte jedoch von Beginn an den Fehler, Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer nicht in seine Pläne einzuweihen. Seitdem hängt der Haussegen schief, denn Nagl macht unter anderem die mangelnde Unterstützung durch die eigene ÖVP-Fraktion für das Scheitern verantwortlich. Trotzig inszeniert er sich als missverstandener Visionär, der von Nein-Sagern umgeben ist, die der Steiermark eine Riesenchance vermasselt hätten. Doch dass gerade die Steiermark mit einem verschuldeten Landeshaushalt von 5,2 Milliarden Euro ein Projekt wie Olympia nur schwer verantworten kann, hätte der ansonsten so smarte Wirtschaftsbündler wissen müssen. Auch scheint ihm der politische Instinkt bei dem heiklen Thema Olympia abhandengekommen zu sein.

Dazu passt seine Einstellung zur bereits geplanten Volksbefragung zu Olympia, zu der Nagl im Vorfeld ausrichten ließ, dass ein Nein der Bürger für ihn nicht bindend sei. Dabei inszenierte sich der Stadtchef einst selbst als Vorreiter einer direkten Demokratie, der zu wichtigen Themen stets die Stimme des Volkes einholen wollte. Die Landes-ÖVP schweigt zu den Vorkommnissen auffallend beredt, was den Verdacht weckt, sie hätte Nagl sehenden Auges ins Malheur geschickt. Eine gewisse Entfremdung zwischen Stadt und Land ist nicht zu übersehen, zumal Landeshauptmann Schützenhöfer wenig Freude damit hat, wenn Nagl dann und wann als sein Nachfolger genannt wird.