Und in Österreich?

In Österreich gibt es nichts Ähnliches. Das Hayek-Institut driftet ab in Richtung FPÖ. Sie holen zu viele ausländische Experten, die Modelle diskutieren, die für Österreich nicht passen. Wir wollen an konkreten Umsetzungen für Österreich arbeiten.

Warum gerade jetzt die Gründung?

Weil das Pendel seit 2008 in die andere Richtung ausschlägt. Jetzt kommt der Staat wieder mit Regulierungen und übernimmt eine stärkere Rolle in der Wirtschaft, ohne dabei etwas zu lösen. Unser Sozialsystem ist in der Krise. Obwohl wir jährlich 70 Milliarden Euro hineinpumpen, gibt es Arme, und wir fallen bei der Bildung international zurück. Das Pensionssystem ist pleite, und wir steuern damit auf eine Katastrophe zu. 1960 lag das durchschnittliche Pensionsalter bei 62 Jahren, heute bei 58. Und das bei einer stark gestiegenen Lebenserwartung. Weitermachen könnte ich bei den Schulden der Bahn.

Österreich steht im internationalen Vergleich gut da.

Ja, weil wir einen unwahrscheinlichen Vorteil durch unsere geografische Lage haben, mitten in der EU und direkt bei Osteuropa. Sogar in Wladiwostok gibt es eine Raiffeisen.

Der Staat hat die Banken gerettet. Das kann man wohl nicht als "Einmischung" bezeichnen.

Die Banken waren immer extrem stark reguliert, aber es waren die falschen Regulierungen. Die Lehman-Pleite hat das nicht verhindern können. Mit den aktuellen Eingriffen in die Banken bei Bonuszahlungen, Bilanzvorschriften oder neuen Steuern bringt man die Banken um und schwächt die Wirtschaft.

Hatte auch die Debatte um Vermögenssteuern bei der Gründung mitgespielt?

Die Kluft zwischen Reich und Arm kann nicht durch mehr Umverteilung geschlossen werden. Unterschiede sind notwendig, damit sich das Gesamtgefüge verbessert. Es braucht Leute wie Didi Mateschitz, Bill Gates, Steve Jobs, Karl Wlaschek oder einen Ikea-Gründer, die viel Vermögen aufbauen. Sie haben davor Arbeitsplätze geschaffen. Will ich Armut reduzieren, muss ich akzeptieren, dass ein paar sehr reich werden.

Wie will "Agenda Austria" die Politik beeinflussen?

Die Politik kann wenig bewegen, sie dreht sich nach dem Wind. Wir wollen den Wind steuern. Wenn die öffentliche Meinung dreht und eine gewisse Politik nicht mehr zulässt, dreht auch die Politik. Die Schweizer haben aus ökonomischer Vernunft gegen mehr Urlaub gestimmt. Man sieht: Es geht.

Es gibt schon die Wirtschaftskammer oder Industriellenvereinigung.

Das sind Interessenvertretungen. Wir sind werteorientiert. Wir wollen daran erinnern, wie der Individualismus und Liberalismus ab Mitte des 19. Jahrhunderts einen zuvor undenkbaren Wohlstand und Fortschritt ermöglicht haben.

Und die Wirtschaftspartei ÖVP?

Ich sehe nicht viel Unterschied zwischen den Parteien in Österreich. Hayek hat sein Werk "den Sozialdemokraten in allen Parteien" gewidmet. Die Parteien haben ihre Klientel, das sie beachten müssen. Die Politik verteilt "Goodies" mit Schulden, die auf der nächsten Generation lasten, und lukriert damit Stimmen. Davon profitieren die organisierten Gruppen. Um die Ärmsten der Armen kümmern sich Private.

Es gibt eine staatliche Mindestsicherung für die Ärmsten. Sind Sie da auch dagegen?

Was ist mir vorstellen kann: Friedman hat fürs Existenzminimum eine negative Einkommensteuer vorgeschlagen. Aber bei uns werden ja alle versorgt. Warum bitte braucht eine Frau Flick oder eine Frau Horten (die reichsten Österreicher, Anm.) Vergütungen wie Kinderbeihilfe?

Woher kommt das Geld für "Agenda Austria"?

Von Stiftungen und Unternehmen, von denen keines eine dominante Rolle spielen soll. Wir dürfen von keinem Geldgeber abhängig sein. Ein Angebot der Industriellenvereinigung haben wir abgelehnt. Das Budget wird über eine Million Euro pro Jahr betragen, in einem Büro in der Wiener Schottengasse werden sechs bis zwölf Personen an unseren Studien arbeiten.

Kann man davon ausgehen, dass Sie sich gegen höhere Stiftungssteuern einsetzen?

Das ist kein unmittelbares Thema. Mit Begünstigungen ist es ohnehin vorbei. Zur Unabhängigkeit will ich sagen: Die Avenir Suisse hat einmal für die Deregulierung des Pharmamarktes votiert. Daraufhin ist eine große Pharmafirma ausgestiegen. So etwas müssen auch wir verkraften können.