Kampf ums Heer. Zahlen als Munition . - © corbis
Kampf ums Heer. Zahlen als Munition . - © corbis

Wien. (neu) Gudrun Biffl (63) ist Allrounderin, die über Arbeitsmarkt, Integration, Sicherheit und Frauenfragen geforscht hat. Derzeit ist sie Dekanin an der Donauuniversität Krems. In der Schlammschlacht um die Wehrpflicht liefert sie dem Verteidigungsminister Norbert Darabos, der für ein Berufsheer kämpft, Munition. Ihre Argumente:

Wehrpflicht teurer

Biffl hat ausgerechnet, welche Kosten anfallen, wenn junge Menschen sechs Monate beim Heer oder neun Monate beim Zivildienst abdienen, anstatt einer regulären Arbeit nachzugehen. Sie kommt auf volkswirtschaftliche Kosten von 300 Millionen Euro. Ihr ökonomischer Ansatz dahinter: Würden 19- bis 20-jährige Männer in diesen sechs Monaten regulär arbeiten, würde der Staat in dieser Zeit mehr Steuern einnehmen und die Wertschöpfung in der Wirtschaft insgesamt steigen, weil die jungen Männer ihr "Humankapital" effizienter einsetzen. Diese 300 Millionen Euro an entgangener Wertschöpfung entsprechen laut Biffl einem fehlenden Wirtschaftswachstum von jährlich 0,25 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt, das ist die Summe aller in einem Land erwirtschafteten Leistungen - bei einem für 2013 prognostizierten Wachstum von einem Prozent keine Kleinigkeit.

Zu wenig Wehrpflichtige

Biffl ortet einen demografischen "Einbruch" in der Gruppe der 19- bis 20-Jährigen aufgrund geburtenschwacher Jahrgänge. Daraus folgert sie, dass dem Bundesheer in der jetzigen Form die Grundwehrdiener langsam ausgehen, weil sich parallel zum "Einbruch" immer mehr für den Zivildienst entscheiden. Bis 2030 wird die Zahl der Grundwehrdiener laut Biffl im Jahresdurchschnitt von 12.000 auf 8000 sinken.

Karriereknick

Auch auf persönlicher Ebene ist die Wehrpflicht für Biffl ein Verlustgeschäft. Sie schätzt, dass ein junger Mann nach zehn Jahren um fünf Prozent mehr verdient, wenn er auf seinem Karriereweg keine sechs Monate ans Heer "verloren" hat. Belegen will sie das mit Vergleichen, die in Holland vor und nach Abschaffung der Wehrpflicht angestellt wurden.

Unabhängige Expertise

Biffls Studie wurde von Darabos bezahlt. Sie betont aber, dass es sich um eine Aktualisierung einer älteren Studie aus dem Jahr 2001 handle, die vom damaligen Verteidigungsminister Scheibner bei in Auftrag gegeben wurde und zu praktisch denselben Ergebnissen kam. Scheibner habe die Studie aus politischen Gründen zurückgehalten.