Wien. (neu) Friedrich Schneider (63) ist deutscher Ökonom und Experte für Schattenwirtschaft. Neben zahlreichen Forschungsprofessuren ist er Volkswirtschaftsprofessor an der Kepler-Universität Linz. In der Schlammschlacht um die Wehrpflicht liefert er der ÖVP, die gegen ein Berufsheer kämpft, Munition. Seine Argumente:

Berufsheer teurer

Schneider kommt auf dieselben 300 Millionen Euro, die der Volkswirtschaft jährlich entgehen, wenn junge Männer Gewehr putzen, anstatt einem Beruf nachzugehen. Aber er stellt diesen 300 Millionen Euro bis zu 600 Millionen Euro gegenüber, die dem Staat eine Umstellung auf ein Berufsheer kosten würde. Diese Summe ergibt sich aus den höheren Gehältern, die der Staat Berufssoldaten und den Nachfolgern der Zivildiener mehr bezahlen müsste als den jetzigen Grundwehr- und Zivildienern, um überhaupt genug Bewerber zu bekommen (der Zwang fällt ja dann weg). Dazu kämen weitere Kosten für eine bessere Ausrüstung der Profi-Soldaten, so Schneider.

Das Argument von Darabos, das Profi-Heer würde langsam aufgebaut und die Kosten nicht sofort schlagend, lässt er nicht gelten: "Ist das Heer dann über Jahre nicht voll einsatzfähig, zum Beispiel im Katastrophenschutz?"

Zu wenig Profisoldaten

Das Argument von Biffl, dass wegen geburtenschwacher Jahrgänge die Grundwehrdiener immer weniger werden, dreht er um. "Dann fehlen genauso die Berufssoldaten." Er verweist außerdem darauf, dass die jungen Fachkräfte, die im neuen Heer gebraucht würden - von Elektrikern bis Mechanikern - dann auch in der Wirtschaft fehlen, was wiederum schlecht für den Wirtschaftsstandort sein könnte.

Kein Karriereknick

Das Argument, dass die sechs Monate beim Heer einen Karriereknick samt finanzieller Einbußen für junge Leute bedeuten, die sie nie wieder aufholten, hält Schneider für übertrieben. "Dass man wegen sechs Monaten so viel weniger verdient, ist unwahrscheinlich", widerspricht Schneider seiner Kollegin. "In dieser Zeit könnte man auch auf Reisen sein oder krank."

Unabhängige Expertise

Schneider sagt, er habe kein Geld für seine Berechnungen bekommen. Sein Motiv: "Staatsbürgerliche Interesse." Er sei nicht per se gegen ein Berufsheer. Nur müsste man "Herrn und Frau Österreicher dann ehrlich und offen sagen, dass sie dafür deutlich mehr bezahlen". Darabos würde sich aus Studien die "Rosinen rauspicken".

Gudrun Biffl: Mit Wehrpflicht verliert Wirtschaft jährlich 300 Millionen Euro.