Die Sprecherin der Uni Wien gibt in einer schriftlichen Stellungnahme Entwarnung: "Aufgrund der Ergebnisse der Messungen besteht kein erhöhtes Risiko. Die Untersuchungen der Mitarbeiter ergaben, dass keinerlei strahleninduzierte Schäden feststellbar sind."

Der medizinischen Check im AKH wurde von der Universität bezahlt, trotzdem gibt es Kritik von den Betroffenen: Die "Standarduntersuchung, die weniger genau war als eine Gesundenuntersuchung" diente der Feststellung, ob die Uni-Mitarbeiter zur Arbeit in strahlenexponierter Umgebung geeignet seien - über den spezifischen Fall in der Porzellangasse sei das AKH nicht informiert gewesen. Und die Ergebnisse gingen zuerst an die Uni, dann an die Patienten. "Ein Lapsus", so der Vorsitzende des Allgemeinen Betriebsrats der Uni Wien. Die Gruppe der zwölf Mitarbeiter fühlt sich vom Betriebsrat schlecht vertreten. "Die Uni ist selbst ein Opfer", sagt ihr Vorsitzender auf Nachfrage, "wir wollen nicht, dass die Leute aus den Löchern kommen, weil sie Geld für sich wittern", und schließlich schreibt er in einem E-Mail: "Es war schwierig, eine schlüssige Bewertung des Betroffenheitsgrades von einzelnen Mitarbeitern zu erlangen - manche fühlen sich betroffen, wenn sie nur einmal vorbei gingen."

Die Universität betont, ihr sei "keinerlei schuldhaftes Verhalten anzulasten", will aber den Betroffenen Ausgleichszahlungen zukommen lassen - eine "Geste des guten Willens", heißt es in einem weiteren E-Mail. Hätte eine offizielle Stellungnahme der Uni dem Kommunikations-Wirrwarr vorgebeugt? "Wir haben überlegt. Aber eine Presseaussendung hätte nichts geändert", so die Uni-Sprecherin. Man habe die Informationen auch aus Rücksicht auf die Betroffenen zurückgehalten, teilweise sei die Uni darum gebeten worden, "das Ganze auf sich ruhen zu lassen", und der Betriebsrats-Vorsitzende räumt ein: "Im Umgang mit der Fürsorgepflicht würde man vielleicht aus heutiger Sicht einige Dinge anders kommunizieren und handhaben."

Auch das Goethe-Denkmal soll verstrahlt sein

Braunbecks Buch erschien vor 17 Jahren, noch bevor sich die Uni in der Porzellangasse einmietete. Zuvor war es Eigentum des Bundes. "Für die Gefahr hat sich niemand interessiert", sagt der Autor heute, dessen Buch durch das Wissenschaftsministerium gefördert wurde. Wird die Uni nun weitere Büros auf etwaige Altlasten untersuchen? "Das ist ein lokales Phänomen und hat mit der Universität gar nichts zu tun", sagt die Uni-Sprecherin.

Nichts mit der Uni zu tun hat jedenfalls das Goethe-Denkmal in Wien, das laut Braunbecks Ausführungen ebenfalls radioaktiv sein soll. Zeit für ergiebige Nachforschungen bleibt laut dem Historiker noch: Erst im Jahr 4000 werden die Strahlungen um die Hälfte abgeklungen sein.