Die Anerkennungsquote von Asylwerbern lag laut Innenministerium 2014 bei 40 Prozent. Weil mehr Syrer und Afghanen kommen, die meist Asyl bekommen, wird sie deutlich steigen. Dass diese Flüchtlinge in ihre Heimat zurückkehren, ist unwahrscheinlich, oder?

Österreich muss sich darauf vorbereiten, dass die Zahl der Flüchtlinge, die dauerhaft in Österreich bleiben, weiter wachsen wird. Deswegen braucht es jetzt Initiativen, diese Menschen zu integrieren. Neben Deutschkursen braucht es Wohnungen und eine Chance am Arbeitsmarkt. Niemand will, dass alle Flüchtlinge Sozialhilfeempfänger werden, am wenigsten die Flüchtlinge selbst.

Es wird argumentiert, wenn Österreich 90.000 Bosnier im Jugoslawienkrieg aufgenommen hat, muss das heute doch locker machbar sein. Aber hatten Bosnier nicht Netzwerke, Freunde, rasch Jobs?

Das ist heute sicher eine größere Herausforderung als die Bosnienkrise, als Netzwerke vorhanden waren, der Kulturkreis ähnlicher war als bei Flüchtlingen aus Syrien oder Afghanistan. Gleichzeitig muss man auch sagen, dass unter Flüchtlingen viele Menschen mit Potenzial sind.

Bei anerkannten Flüchtlingen, die beim AMS gemeldet sind, haben 80 Prozent der Syrer nur Pflichtschulabschluss, Afghanen zu 90 Prozent. Das AMS sagt, die Arbeitsmarktintegration wird schwierig.

Genaue Zahlen kenne ich nicht. Klar ist, dass das Bildungssystem in Afghanistan am Boden liegt.

Braucht es einen zweiten Arbeitsmarkt in Vereinen oder gemeindenahen Einrichtungen für diese Menschen?

Von staatlicher Seite muss einsehen, dass die Menschen hier bleiben werden. Man muss sie als Teil der Gesellschaft sehen und integrieren; falls das nicht gelingt, wird es negative Konsequenzen haben. Es darf keine verlorene Gruppe entstehen.

Zu integrieren sind hauptsächlich junge Männer, die 80 Prozent der Asylwerber stellen. Dass sie ihre Familien nachholen, zeigen die Zahlen nicht. Nur 10 Prozent neuer Asylanträge betreffen Nachzug.

Bei den Afghanen sind es oft junge Männer, die sich auf den gefährlichen Fluchtweg machen. Bei Syrern vervielfachen sich die Anträge von Ehefrauen und Kindern gerade, die nachkommen. In den Flüchtlingslagern an der Grenze zu den Kriegsgebieten ist das Bild umgekehrt: Dort sind mehrheitlich Frauen und Kinder.

Das heißt, die Männer ziehen von dort nach Europa weiter, weil sie Strapazen besser aushalten und Gefahren eher in Kauf nehmen?

Das kommt vor, ja.