Geschlecht, Bildung und Herkunft trennen die USA in eine blaue, demokratische und eine rote, republikanische Hälfte. - © WZ-Montage
Geschlecht, Bildung und Herkunft trennen die USA in eine blaue, demokratische und eine rote, republikanische Hälfte. - © WZ-Montage

"Wiener Zeitung": Es ist nun viel davon die Rede, dass die USA ein vollkommen gespaltenes Land seien. Aber waren sie das nicht auch schon früher?

Thomas Hofer: Es hat immer schon ein gewisses Gefälle gegeben. Aber wenn man betrachtet, mit welch starker Ablehnung Demokraten und Republikaner einander gegenüberstehen und dass das Hauptargument die Verhinderung des jeweils anderen ist - dann hat das schon an Qualität zugenommen.

Woran liegt das?

Aufgrund der sozialen Medien gibt es nun viel geschlossenere, in sich gekehrte Räume. Fake News sind oft schwer zu entdecken, sodass unabhängige, objektive Medien mit dem Nachprüfen von Fakten fast gar nicht mehr nachkommen. Und die politischen Akteure spielen genau auf dieser Klaviatur. Das betrifft beide Seiten, aber in erster Linie Donald Trump.

Wo verlaufen die Trennlinien?

Es gibt einen starken Bruch zwischen Stadt und Land, oder auch zwischen den Geschlechtern und im Bildungsbereich. Sehr knapp zusammengefasst kann man sagen: Frauen mit Collegeabschluss wählen überwiegend demokratisch und Männer ohne Collegeabschluss viel stärker republikanisch. Diese waren eigentlich auch eine klassische Wählerklientel der Demokraten - und deshalb bleibt das trotz des Sieges im Repräsentantenhaus ein Problem der Demokraten. Und dann darf man auch nicht den Bruch der Werte vergessen. Bei emotional hoch aufgeladenen Themen wie etwa der Frage nach Rechten für Homosexuelle zeigt sich, wie feindlich diese beiden Lager einander gegenüberstehen.

Gibt es in dieser Gemengelage überhaupt noch Wechselwähler oder gewinnt einfach die Partei, die ihre Basis stärker mobilisieren kann?

Die Zahl der Wechselwähler geht zurück. Gleichzeitig werden die jeweiligen Basiswähler immer emotionaler. Dass die Demokraten bei dieser Wahl besser mobiliseren konnten, war mitentscheidend, dass sie das Repräsentantenhaus an sich ziehen konnten - denn an und für sich ist die Wählerschaft, die an den Midterm Elections teilnimmt, eher republikanisch und auch weiß dominiert. Das zeigt: Die Mobilisierung derjenigen, die man auf seiner Seite hat, wird immer entscheidender.

55 Prozent der Frauen haben die Demokraten gewählt. Ist das die Karte, auf die diese in Zukunft setzen sollten?

Ja. Die hohe Mobilisierungsrate bei Frauen haben aber nicht nur die demokratischen Kandidatinnen bewirkt, für die war auch Trump mit seiner sexistischen Linie verantwortlich. In zwei Jahren bei der Präsidentenwahl ist es aber wieder ein neues Match. Und dabei werden auch weitere Wählergruppen entscheidend sein, etwa die Hispanics. Ein gewisser Barack Obama hat es ja bei seinem Erfolg geschafft, die höchste Wahlbeteiligung aller Zeiten bei Minderheiten hinzubekommen.