Wer sind denn überhaupt die Leute, die weiterhin als Wechselwähler in Frage kommen. Wo gibt es diese noch?

In den Suburbs, den Vorstädten, ist hier etwas zu holen. Genau so wie früher die "Reagan Democrats" gab es dort auch die "Obama Republicans". Und Trump hat es bei seiner Wahl geschafft, im sogenannten "rust belt" (Industriegebiete, die früher oft demokratisch wählten, Anm.) die verunsicherte untere Mittelschicht an sich zu binden. Das ist nach wie vor eine gewinnbare Wählergruppe.

Inwieweit geht es bei den US-Wahlen überhaupt noch um Inhalte - oder werden diese nur durch Emotionalisierung gewonnen?

Ohne Emotion geht gar nichts. Aber das war früher nicht viel anders. Auch schon ein Bill Clinton hat auf der emotionalen Klaviatur sensationell gespielt. Die Kunst ist immer, ein Thema, für das man steht, stärker zu emotionalisieren als der Gegner.

Und was ist das große Thema, die Erzählung von Trump? Dass er der Schutzherr des gefährdeten weißen Mannes ist?

Weiße Männer sind seine Kernzielgruppe, aber ich würde sein Programm nicht darauf reduzieren. Er thematisiert den Statusverlust der Mittelschicht, in der es das Gefühl einer Gefährdung gibt, die ein Abstiegsszenario vor sich sieht. Er spricht Familien an, die von der Aufstiegserzählung der USA gelebt haben. Trump hat das hervorragend in den Slogan "Make America great again" gegossen. Das ist bis heute eine zentrale Erzählung, die man nicht unterschätzen darf - nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell.

Wie zeigt sich das kulturell?

In linksliberalen demokratischen Kreisen wird etwa darüber diskutiert, wie viele Geschlechter es geben soll, und die Rede ist hier von dutzenden. Von der anderen Seite wird das komplette Kontraprogramm gefahren. Dabei zeigt sich, dass es hier kaum ein Kompromisspotenzial gibt. Trump ist hierbei ein Meister, ein paar Vorurteile aneinanderzureihen - und er erzielt sofort eine hohe Emotionalisierung. Es steht zu befürchten, dass diese Polarisierung nicht weniger wird.

Haben die Demokraten derzeit eine herausragende Person oder Erzählung, die sie Trump entgegenhalten können?

Ihnen ist ihre Erzählung ein wenig verloren gegangen, und es hat sich auch noch keine überragende Persönlichkeit herauskristallisiert. Es war zwar ein großer Erfolg, dass sie das Repräsentantenhaus zurückgewonnen haben, aber sie haben die Antwort auf Trump noch nicht wirklich gefunden.