Die Überreste der Hamas-TV-Station im Gazastreifen. - © reuters/Salem
Die Überreste der Hamas-TV-Station im Gazastreifen. - © reuters/Salem

Tel Aviv/Gaza. Militante Palästinensergruppen im Gazastreifen haben nach einer gefährlichen Eskalation der Gewalt eine Feuerpause mit Israel verkündet. Diese sei von Ägypten vermittelt worden, hieß es in einer Erklärung der Palästinensergruppen, darunter die im Gazastreifen herrschende radikalislamische Hamas.

Davor hatten militante Palästinenser rund 400 Raketen und Mörsergranaten aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert. Es handle sich um die intensivsten Angriffe seit dem Gaza-Krieg 2014, wie der israelische Armeesprecher Jonathan Conricus mitteilte.

Insgesamt starben seit Montag mindestens sieben Menschen. Wie das palästinensische Gesundheitsministerium in Gaza mitteilte, wurden sechs Palästinenser getötet, davon mindestens vier Mitglieder militanter Organisationen. In der israelischen Stadt Ashkelon starb ein Israeli, als eine aus dem Gazastreifen abgefeuerte Rakete direkt in sein Haus einschlug. Auf beiden Seiten gab es Verletzte.

Verpatzte Kommandoaktion

Unmittelbarer Anlass für die Eskalation war ein verpatzter israelischer Geheimeinsatz im Gazastreifen. Eine verdeckte Einheit wurde von militanten Hamas-Kämpfern enttarnt, es kam zu einem heftigen Feuergefecht. Sieben militante Palästinenser, darunter ein 37-jähriger Hamas-Kommandant, und ein israelischer Offizier kamen ums Leben. Experten mutmaßen, es sei der Einheit vor allem um Informationsbeschaffung gegangen - die Armee betonte jedenfalls, man habe den Hamas-Kommandanten weder entführen noch gezielt töten wollen. Was folgte, war jedenfalls die gefährlichste Zuspitzung der Lage seit vier Jahren.

Das israelische Abwehrsystem Iron Dome habe mehr als 100 palästinensische Raketen abgefangen, sagte der israelische Armeesprecher. Als Reaktion habe die israelische Armee mehr als 100 Ziele der im an der Küste gelegenen Gazastreifen herrschenden Hamas sowie der militanten Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad angegriffen, so der Sprecher. An den Angriffen waren Panzer, die Luftwaffe sowie die Marine beteiligt. Unter anderem wären Waffenlager und unterirdische Infrastruktur getroffen worden.

Der israelische Armeesprecher sagte, es seien vier große Gebäude der Hamas getroffen worden, darunter der Fernsehsender Al-Aksa, ein Gebäude der Hamas-Sicherheitskräfte in Gaza sowie eine Einrichtung des Militärgeheimdienstes. Die Angestellten des Senders hatten vor dem Bombardement die Fernsehstation verlassen, nachdem Israel Al-Aksa-TV telefonisch zur Evakuierung des Gebäudes aufgefordert hatte. Außerdem warnte die Luftwaffe vor dem Angriff mit dem Abfeuern von fünf Raketen, die in der Nähe einschlugen und nicht detonierten. Al-Aksa-Television nahm nach einer kurzen Unterbrechung den Betrieb wieder auf und sendete Archivaufnahmen zu martialischer Musik.

Reichweite bis Tel Aviv?


Nach israelischen Informationen verfügt die Hamas über ein Arsenal von 20.000 Raketen und Mörsergranaten verschiedener Reichweite. Einige davon könnten die größten israelische Städte Tel Aviv und Jerusalem erreichen und sogar Ziele darüber hinaus.

Die Hamas veröffentlichte ein Video, das den Angriff mit einer Panzerabwehrrakete auf einen israelischen Bus zeigen soll. Bei dem Beschuss war ein israelischer Soldat verletzt worden.

Verschiedene israelische und palästinensische Experten waren sich allerdings von Anfang an einig, dass beide Seiten kein unmittelbares Interesse an einem umfassenden Krieg hätten. "Ägypten und die internationale Gemeinschaft üben Druck auf beide Seiten, die Hamas und Israel aus, um einen vollen Krieg zu verhindern", so Amos Harel, Militärexperte der israelischen Zeitung "Haaretz".