Istanbul/Riad/Paris. Im Fall des getöteten saudischen Journalisten Jamal Khashoggi in Istanbul hat die US-Regierung Sanktionen gegen 17 Saudi-Arabier verhängt. Darunter sind der saudische Generalkonsul in Istanbul, Mohammed al-Otaibi, und die Angehörigen eines Teams, das für den Tod Khashoggis in der diplomatischen Vertretung verantwortlich gemacht wird, wie das US-Finanzministerium am Donnerstag mitteilte.

Der saudische Generalstaatsanwalt hat die Todesstrafe für fünf mutmaßliche Tatbeteiligte gefordert. Es seien insgesamt elf - namentlich nicht genannte - Männer angeklagt. Als Drahtzieher gelte der ehemalige Vizechef des Geheimdienstes, Ahmed al-Asiri.

Das wurde am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Riad verkündet, bei der ein Sprecher eine Stellungnahme des Generalstaatsanwalts Saud al-Mujib vorlas. Die Türkei forderte umgehend weitere Aufklärung.

Der Regierungskritiker Khashoggi hatte am 2. Oktober das Konsulat Saudi-Arabiens in Istanbul betreten, um Dokumente für die Hochzeit mit seiner türkischen Verlobten abzuholen. Er tauchte nie wieder auf. Erst unter immensem internationalen Druck gab Saudi-Arabien die Tötung des im Exil lebenden Khashoggi zu und leitete Ermittlungen ein. Riad hatte danach 18 Verdächtige - darunter die 15 Mitglieder eines nach Istanbul gereisten Spezialteams - festnehmen lassen.

Staatsanwaltschaft dementiert Mitwisserschaft des Kronprinzen

Nach saudischer Darstellung vom Donnerstag gab Ex-Geheimdienstler Al-Asiri in Eigenregie den Befehl an das 15-köpfige Kommando, Khashoggi zu überzeugen, mit ihnen nach Saudi-Arabien zu reisen. Die Situation sei eskaliert und dem Kolumnisten der "Washington Post" sei eine Injektion verabreicht worden, an der er starb. Seine Leiche sei zerstückelt, aus dem Konsulat gebracht und einem lokalen Mitarbeiter übergeben worden.

Die Staatsanwaltschaft dementierte am Donnerstag erneut, dass Kronprinz Mohammed bin Salman von der Mission gewusst habe. Das Königreich will den Thronfolger damit offensichtlich aus der Schusslinie raushalten.

Internationale Experten wie auch westliche Diplomaten bezweifeln, dass eine solche Mission im autokratischen Saudi-Arabien ohne Wissen des mächtigen Kronprinzen Mohammed möglich gewesen wäre. Der erst 33-Jährige hatte seinen Einfluss im Land in den vergangenen Jahren immer weiter ausgebaut und hat enge Vertraute an alten Schaltstellen des Landes eingesetzt.