Sie dürfte damit bei Kneissl nicht auf Gegenliebe gestoßen sein. Denn die türkis-blaue Bundesregierung wirbt wie keine andere österreichische Regierung bisher ostentativ um die israelische Gunst. So kritisierte die von der FPÖ nominierte Kneissl jüngst in einem Interview mit der "Times of Israel" die Politik der EU gegenüber Israel. "Israel hat nicht die Schweiz und Liechtenstein als Nachbarn, und es würde Europa guttun, sich dessen manchmal zu erinnern", wurde die Außenministerin zitiert. Es brauche "mehr Realismus" in den Beziehungen der EU zu Israel. Die Außenministerin bekräftigte, dass Österreich schon "bald" den Holocaust-Überlebenden und ihren Nachkommen die Doppelstaatsbürgerschaft ermöglichen werde. Und überhaupt: Der Antizionismus habe ein "starkes antisemitisches Element". Auch in der Einladung zur Konferenz war vom Antizionismus als "übermäßiger und unverhältnismäßiger Kritik am Staat Israel" die Rede.

An der Konferenz selbst nimmt Kneissl nicht teil – offiziell aus Termingründen. Der wahre Grund dürfte aber sein, dass Israel – zumindest bis dato – jeden Kontakt mit der FPÖ und damit auch mit der von ihr aufgestellten Außenministerin vermeidet. An der Konferenz nehmen seitens der Regierung nur ÖVP-Vertreter wie Bundeskanzler Sebastian Kurz teil. Kurz hält sich zugute, dass seine Regierung nach eigener Aussage die pro-israelischste in der Geschichte Österreichs ist – ganz im Gegenteil etwa zu den Regierungen unter SPÖ-Bundeskanzler Bruno Kreisky, der sich für die Palästinenser starkmachte und ein konfliktbeladenes Verhältnis zu Israel hatte. Für sein Statement, wonach die Sicherheit Israels Teil der österreichischen Staatsräson sei, bekam Kurz in Israel viel Applaus.

Boykott gegen FPÖ bleibt

Die seit Jahrzehnten andauernde Distanz Israels und jüdischer Organisationen zur FPÖ bleibt aber noch aufrecht. Das freiheitliche Liebeswerben um die Gunst des Landes bleibt unerwidert. So boykottierte der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Oskar Deutsch, die Einladung zu einer Konferenz über "Europäische Werte, Herrschaft des Rechts und Sicherheit", die am Dienstag stattfand. Der Grund: Es handelte sich um eine Konferenz des von der FPÖ geführten Innenministeriums, und "ich gehe zu keiner Konferenz, die (Innenminister Herbert) Kickl eröffnet", erklärte Deutsch.

Da nützte es Kickl nur wenig, dass er auf dieser Konferenz vor einer "Bedrohung durch den Antisemitismus" warnte, sich über eine "steigende Zahl an antisemitischen Aktionen" besorgt zeigte und Österreichs "Vorreiterrolle" beim Schutz jüdischer Einrichtungen pries. Kickls Konferenz widmete sich besonders dem Anstieg des Antisemitismus im Zuge der Erstarkung des politischen Islam. Geladen waren Islamkritiker wie der britische Autor Douglas Murray oder die liberale Frauenrechtlerin Seyran Ates.