Berlin/Genf. (ast) Flüchtlingskinder haben in vielen Ländern nur wenig Chancen auf gute Bildung. Das geht aus dem Weltbildungsbericht der UNO-Sonderorganisation Unesco hervor, der am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Die Flüchtlingsorganisation der Vereinten Nationen, das UNHCR, schätzt die Einschulungsraten von Flüchtlingen weltweit auf 61 Prozent an Volksschulen und 23 Prozent an Mittelschulen. Rund vier Millionen Flüchtlinge zwischen fünf und 17 Jahren besuchten demnach im Jahr 2017 überhaupt keine Schule.

Laut Unesco ist die Zahl der Menschen auf der Flucht "auf dem höchsten Stand seit Ende des Zweiten Weltkriegs". Von den 19,9 Millionen Flüchtlingen, die derzeit unter dem Schutz des UNHCR stehen sind mehr als die Hälfte jünger als 18 Jahre.

Wichtig für die Bildung von Flüchtlingen sei vor allem deren Einbeziehung in nationale Bildungssysteme, so die Unesco. Angesichts von Krisen würden die meisten Regierungen mit der Schaffung spezieller Angebote für Flüchtlinge reagieren und so Parallelsysteme schaffen. Diesen mangele es aber oft an qualifizierten Lehrkräften, Prüfungen könnten nicht zertifiziert werden und Finanzierungsquellen drohten, kurzfristig zu versiegen. Daher müssten nachhaltigere Lösungen gefunden werden.

Kritik an separaten Klassen


2017 haben in der EU doppelt so viele im Ausland geborene Kinder und Jugendliche die Schule früher verlassen, als die im Land Geborenen. Schüler der ersten Zuwanderungsgeneration sind in Ländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) weiterhin benachteiligt. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie Grundkenntnisse in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften erwerben, ist um 32 Prozent geringer als bei im Land Geborenen.

Und auch wenn Flüchtlingskinder formal oft integriert werden, so sind sie mittels separater Klassen vom gemeinsamen Schulalltag ausgeschlossen. Der UNO-Bericht kritisiert, dass dieser Zustand mitunter zu lange anhält, und führt als Negativbeispiel die Steiermark an. Kinder über 15 Jahre, die als nicht bereit für die Oberstufe erachtet werden, dürfen dort am Unterricht nicht teilnehmen und werden nach Eignungstests in Spezialkurse geschickt.

Kritisch wird auch die frühe Aufteilung der Schüler in diverse Schultypen und die Trennung talentierter von leistungsbenachteiligten Kindern bewertet. In Österreich wird mit zehn Jahren der weitere Bildungsweg entschieden; im Bericht wird Linz erwähnt, dort schlagen um 16 Prozent weniger Kinder mit Migrationshintergrund eine akademische Laufbahn ein als Einheimische.

Frühkindliche Bildung wichtig


In Frankreich schlagen 37 Prozent, in Schweden 32 Prozent der Kinder von Migranten eine Tertiärausbildung ein, weil sie frühe Vorschulbildung erhielten. In Österreich wie Deutschland betrug der Prozentsatz ohne diese Faktoren nur fünf beziehungsweise 15 Prozent. Die Unesco fordert daher verstärkt Zugang zu frühkindlicher Bildung. 15-jährige Einwanderer, die vorschulische Bildung genossen haben, schnitten im Pisa-Test von 2012 etwa 49 Punkte höher ab als solche ohne. Positiv wird Österreich hingegen bei der Anerkennung von Qualifikationen aus anderen Ländern erwähnt.

Vorzeigeländer des Berichts sind Kanada und Irland. Ersteres hat den höchsten Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund unter den sieben reichsten Industrieländern. Positiv sei, dass das Land den Erwerb von Grundkenntnissen über Migration für Kinder ab der zweiten Klasse sicherstelle. Irland, mit dem höchsten Anteil an Einwanderern der ersten Generation in der EU, finanzierte in der Finanzkrise eine auf Vielfalt und Menschen unterschiedlicher Herkunft ausgerichtete Bildungsstrategie.