Sydney. Die Liste der Länder, die den umstrittenen UN-Migrationspakt ablehnen, wird immer länger. Australiens konservative Regierung erklärte am Mittwoch, der Pakt könnte zur "illegalen" Einwanderung in das Land ermutigen. Dies bedrohe hart erkämpfte Erfolge im Kampf gegen den Menschenschmuggel.

Der Migrationspakt sei nicht im Interesse Australiens und stehe im Widerspruch zur Politik seiner Regierung, erklärte Premierminister Scott Morrison. Morrison ist einer der Architekten der harten Einwanderungs- und Asylpolitik Australiens. Die Regierung fängt Flüchtlinge, die Australien auf Booten erreichen wollen, ab und hält sie in Lagern auf Pazifikinseln fest.

Regierung will Obergrenze um jährlich 30.000 Menschen verringern

Darüber hinaus will Australien wegen voller Städte "voraussichtlich" die Einwanderung weiter begrenzen. Seine Regierung werde versuchen, die Obergrenze von derzeit 190.000 dauerhaften Einwanderern jährlich um 30.000 zu verringern, sagte Morrison bereits am Montagabend. Die größten Städte Sydney und Melbourne seien Opfer "unseres Erfolgs", sagte er. Straßen seien verstopft, Busse, Züge und Schulen seien voll.

"In Sydney waren Einwanderer für etwa 70 Prozent des Bevölkerungswachstums des vergangenen Jahres verantwortlich. Das Bevölkerungswachstum hat eine entscheidende Rolle bei unserem wirtschaftlichen Erfolg gespielt", sagte Morrison. Er wisse aber auch um die Sorgen der Australier in den größten Städten. "Sie sagen genug, genug, genug."

Parlamentswahlen im Mai

In den zwölf Monaten bis Juni hatten sich 160.000 Einwanderer in Australien angesiedelt, deutlich weniger als maximal vorgesehen. Morrison erwarte, bei dieser Zielmarke zu landen. Die Stimmung in den Gemeinden müsse bei der Einwanderung berücksichtigt werden, sagte der Premierminister. Im Mai wird in Australien das Parlament gewählt.

Nach jüngsten Zahlen der Statistikbehörde kommen 20 Prozent der Einwanderer aus Indien, 15 Prozent aus China und neun Prozent aus Großbritannien. 2017 wurden mehr als 262.489 permanente und befristete Visa genehmigt. In Australien leben nun mehr als 25 Millionen Menschen - auf einer Fläche von rund 7,7 Mio. Quadratkilometern. Australien ist damit mehr als 21 Mal so groß wie Deutschland, das rund 83 Millionen Einwohner hat (etwa zwei Drittel mehr).

Immer mehr Widerstand gegen Migrationspakt

Der UN-Migrationspakt soll bei einer Konferenz am 10. und 11. Dezember in Marokko angenommen werden. Im Juli hatten sich die Vereinten Nationen nach 18 Monaten auf die Endfassung des Dokuments geeinigt, mit dessen Hilfe illegale Einwanderung verhindert und legale Einwanderung besser gesteuert werden soll.

Inzwischen hat sich aber eine Reihe von Ländern gegen den Migrationspakt gestellt, darunter die USA, Österreich, Polen und Ungarn.