Die möglicherweise von Separatisten entführten neun Schüler und ihr Lehrer in Kamerun sind wieder frei. Sicherheitskräfte hätten sie in der Nacht zum Mittwoch im Südwesten Kameruns befreit. meldeten die Regionalbehörden. Dabei seien sechs Entführer getötet worden. Die Schüler des Lourdes Bilingual College Kumba sind zu ihren Familien zurückgekehrt, der Lehrer wurde mit Verletzungen unbekannten Grades in ein Krankenhaus gebracht.

Mittlerweile haben Studenten der Universität im etwa 250 km entfernten Bamenda eine Welle von Aufrufen gegen gewalttätige Auseinandersetzungen rund um Bildungseinrichtungen in den Sozialen Medien gestartet. Auf Facebook, Twitter, Instagram & Co fordern die Studenten eine Rückkehr zur Normalität im englischsprachigen Landesteil.

In den Postings heißt es etwa "Wir wollen zur Schule gehen, aber wir wollen nicht sterben". Dabei fordern sie auch den 85-jährigen Präsidenten Paul Biya, der seit 1982 im Amt ist, zur Eindämmung staatlicher Gewalt, Deeskalation, Demilitarisierung und zur Freilassung aller politischen Gefangenen auf. Zuletzt starb ein Professor der Universität im Kreuzfeuer zwischen Regierungstruppen und Separatisten.

Hintergrund der Konflikte ist der Streit um die Sprache. Während einer Großteil der 25 Millionen Einwohner Kameruns neben regionalen afrikanischen Sprachen Französisch spricht, dominiert in den Regionen im Südwesten aus historischen Gründen das Englische. Separatisten wollen die Landesteile als eigenen Staat Ambazonia abspalten. Sie kritisieren, dass das staatliche Bildungssystem die englische Sprache und Kultur ignoriere.

Inszenierungen der Staatsmacht?

Oppositionelle werfen Biya vor, das Sprachenproblem mit autoritären Mitteln zu verschärfen, um damit seine Macht zu zementieren. Dabei ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Regierung Aktionen unter falscher Flagge durchführt. Als vor zwei Wochen 79 Schüler entführt wurden, zeigte ein Video einen angeblichen Separatisten. Allerdings hatte dessen Englisch einen schweren französischen Einschlag, was seine Aussagen nicht unbedingt glaubhaft machte.