Buenos Aires. (red) Unter enormen Sicherheitsvorkehrungen startete am Freitag der G20-Gipfel in Buenos Aires. Rund 22.000 Polizisten und 3000 Soldaten riegelten das Veranstaltungsgelände ab, die Stadtviertel Recoleta und Palermo gleichen seither einer Festung. Zehntausende Demonstranten machten sich bereit, um gegen soziale Ungerechtigkeit zu protestieren. Der Freitag war zum Feiertag erklärt worden.

Gleich zu Beginn des Gipfels kam es zu einem Erdbeben - allerdings nicht zu einem politischen. Das Zentrum des Phänomens der Stärke 3,8 lag rund 30 Kilometer südlich von Buenos Aires in einer Tiefe von 25 Kilometer, die Auswirkungen waren in der argentinischen Hauptstadt deutlich zu spüren.

Nafta-Folgeabkommen

Noch vor dem Start der G20-Gespräche haben die USA, Kanada und Mexiko ihr neues Handelsabkommen unterzeichnet. Dabei handelt es sich um die Erneuerung des Freihandelsabkommens Nafta. US-Präsident Donald Trump hatte die Übereinkunft aufgekündigt, weil er die USA benachteiligt sah. "Das ist eine Modellvereinbarung, welche die Handelslandschaft für immer verändert", zeigte sich Trump über die Neuauflage erfreut. Die Parlamente der drei Staaten müssen den Vertrag noch ratifizieren.

Abseits davon steht der Gipfel im Zeichen des neuen Protektionismus und gefährlicher Krisen - wie etwa der Spannungen zwischen der Ukraine und Russland. Die internationalen Hoffnungen liegen hier bei der deutschen Kanzlerin Angela Merkel, die mit ihrem russischen Amtskollegen Wladimir Putin Gespräche führen wird. Dies erst am Samstag, nachdem sie wegen eines technischen Gebrechens an ihrem Flugzeug verspätet in Buenos Aires landete und den Auftakt vertsäumte.

Trump hatte noch am Donnerstag per Twitter wissen lassen, ein geplantes Treffen mit Putin sei geplatzt. Eine späte Reaktion auf die Festnahme ukrainischer Matrosen durch Moskau, die Auslöser einer gefährlichen Eskalation war. Ohne eine Freilassung der Ukrainer könne es kein Gespräch geben, so Trump. Das sei in Ordnung, hieß es aus Moskau, dann habe Putin mehr Zeit für Konstruktives. Der Gipfel der Mächtigen findet vor dem Hintergrund eines Konfliktes zwischen Erzfeinden statt, der sich hochschaukelt. So hat die Ukraine russischen Männern im kampffähigen Alter zwischen 16 und 60 Jahren die Einreise verboten. Damit, so Präsident Petro Poroschenko, wolle man eine Invasion unterbinden.

Putin lachte mit Salman

Statt Trump traf Putin am Freitag den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, und zwar freundlich mit kumpelhaftem Handschlag und lautem Lachen. Ein Affront gegenüber dem Westen angesichts der Vorwürfe gegen den Saudi rund um die Ermordung des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi.

Mit großer Spannung wird das G20-Treffen Trumps mit Chinas Staatschef Xi Jinping am Samstag erwartet. Die Finanzmärkte reagierten nervös. "Der Showdown steht bevor", so der Fondsmanager Thomas Altmann von QC Partners. "Bei Trump ist nicht klar, ob er tatsächlich einen Handelsdeal erreichen will beziehungsweise ob er überhaupt zu Zugeständnissen bereit ist." Trump selbst gab sich zuversichtlich bezüglich einer Annäherung im erbitterten Handelskonflikt mit China: "Es gibt ein paar gute Zeichen. Wenn wir einen Deal schließen könnten, wäre das gut." Beide Seiten hätten Interesse daran.