Buenos Aires. Die Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrienationen ringen in Argentinien um ihre Handlungsfähigkeit. Das Zustandekommen einer gemeinsamen Abschlusserklärung, insbesondere zu den Streitthemen Welthandel, Klimaschutz und Migration, war zum Ende des ersten Gipfeltages noch völlig in der Schwebe.

Vor allem aus den USA kam massiver Druck, etwa den Klimaschutz und vor allem die Verbindung zwischen Klimaerwärmung und Treibhausgasausstoß aus der Erklärung herauszuhalten. Auch das bei G-20-Gipfeln seit zehn Jahren übliche Bekenntnis zum geregelten Welthandel wollen die USA weitgehend vermeiden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel greift am Samstag in das Gipfelgeschehen ein. Sie traf am Freitagabend nach der Panne an ihrem Regierungsflieger mit zwölf Stunden Verspätung in Buenos Aires ein - gerade pünktlich zu einer Kulturveranstaltung im berühmten Teatro Colon mit anschließendem Gala-Dinner. Am zweiten Gipfeltag wollte sie US-Präsident Donald Trump und den russischen Präsidenten Wladimir Putin treffen.

Zugeständnis zu WTO-Reform als erster Erfolg

Wie die USA haben auch China und die Türkei nach dpa-Informationen Bedenken gegen einen vorliegenden Entwurf der Abschlusserklärung. Unklar blieb zunächst, wie viele Kröten vor allem die Europäer um Deutschland und Frankreich zu schlucken bereit sind, um ein Scheitern des Gipfels zu verhindern.

Als erster Erfolg wurde hingegen verbucht, dass sich die Staats- und Regierungschefs dazu verpflichten würden, bis zum nächsten G-20-Gipfel die Reform der Welthandelsorganisation WTO voranzutreiben, um eine bessere Einhaltung gemeinsamer Spielregeln zu ermöglichen. Zudem soll in der Erklärung darauf verwiesen werden, dass man weiter multilateral, das heißt im großen Kreis, an der Lösung von Problemen arbeiten wolle.

Einen G-20-Gipfel ohne Abschlusserklärung hat es noch nie gegeben. Beim G-7-Gipfel in Kanada hatte Trump das bereits vereinbarte Papier nachträglich platzen lassen.

Am Abend will Trump in Buenos Aires den Versuch unternehmen, auf bilateraler Ebene den Handelskrieg mit China zu beenden. Bei seinem Abendessen mit Chinas Präsident Xi Jinping geht es darum, wie die von den USA gegen China verhängten Sonderzölle wieder aufgehoben oder zumindest nicht noch ausgeweitet werden können.

Die USA verlangen, dass China etwa auf Produktpiraterie und erzwungenen Technologietransfer verzichtet. Insgeheim sieht Washington auch die Infrastruktur-Initiative der Chinesen mit Misstrauen. Mit der sogenannten Seidenstraßen-Initiative versucht China nach Auffassung von Experten auch, über die Zusammenarbeit vor allem mit Entwicklungsländern seinen Einfluss weltweit auszubauen.