Kiew. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und der russische Präsident Wladimir Putin wollen die jüngste Eskalation zwischen Russland und der Ukraine im sogenannten Normandie-Format behandeln. Dies teilte Regierungssprecher Steffen Seibert am Samstag mit. Das Normandie-Format, auch Normandie-Quartett, bedeutet, dass Fragen des Ukraine-Konflikts zwischen diesen vier Staaten erörtert werden. Das Format ist nach dem Ort des ersten Treffens von Merkel, dem damaligen Präsidenten Frankreichs Francois Hollande sowie Putin und seinem ukrainischen Amtskollegen Petro Poroschenko im Juni 2014 benannt. Seitdem finden auf verschiedenen Ebenen Verhandlungen statt.

Bei einem Gespräch am Rande des G-20-Gipfels in Buenos Aires hätten beide am Samstag vereinbart, dass außenpolitische Berater Deutschlands, Russlands, der Ukraine und Frankreichs über die Situation im Asowschen Meer sprechen sollten, hieß es.

Merkel äußerte Sorge wegen Kertsch

"Die Bundeskanzlerin machte noch einmal ihre Sorge über die Zuspitzung an der Straße von Kertsch und ihr Eintreten für die Freiheit des Schiffsverkehrs ins Asowsche Meer deutlich", hieß es. Die russische Marine hatte in der Meerenge von Kertsch im Osten des Schwarzen Meeres drei ukrainische Schiffe geentert und die Besatzungen festgenommen.

Das Thema habe neben der Lage in Syrien im Mittelpunkt des Gesprächs mit Putin gestanden, hieß es. Zum Thema Syrien sei man sich einig gewesen, dass man weiter versuchen müsse, den Krieg durch einen politischen Prozess zu beenden.

Maas findet russisches Vorgehen "inakzeptabel"

Deutschlands Außenminister Heiko Maas bezeichnete das russische Vorgehen gegen ukrainische Schiffe erneut als "inakzeptabel". Gleichzeitig erklärte Maas auf Twitter, die Regierung wolle "keine Militarisierung eines Konflikts, der auch unsere Sicherheit in Europa" bedrohe. Berlin setze alles daran, die Krise im Wege der Diplomatie zu beenden.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der gemeinsam mit der Kanzlerin zwischen Moskau und Kiew vermittelt, hatte sich bereits am Freitag mit Putin getroffen und den Beginn einer "Phase der Deeskalation" gefordert.

Putins Zeichnung für Macron

Wie Macrons Berater nach dem 20-minütigen Treffen am Rande des Gipfels berichteten, versuchte Putin den französischen Präsidenten mit einer Zeichnung des Krisengebiets vom russischen Vorgehen zu überzeugen. Während des Gesprächs holte der russische Präsident demnach ein leeres Blatt Papier hervor und zeichnete das Asowsche Meer und die Straße von Kertsch, dann markierte er den Fahrtverlauf ukrainischer Boote auf dem Blatt.

Russland wirft den ukrainischen Booten vor, in russische Gewässer eingedrungen zu sein. "Er hat sich Zeit genommen, um seine Version des Vorfalls zu erklären, das hat etwa zehn Minuten gedauert", sagte eine französische Diplomatin.