Van der Bellen wird im Camp der österreichischen Blauhelme empfangen. - © apa/Bundesheer/Peter Lechner
Van der Bellen wird im Camp der österreichischen Blauhelme empfangen. - © apa/Bundesheer/Peter Lechner

Beirut. Beim Presse-Briefing mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen im Camp der österreichischen Blauhelme im Südlibanon zieht ein heftiger Sturm auf: "Na da geht’s zu", sagt Van der Bellen, als der Regen so laut auf das Wellblechdach trommelt, dass man kaum noch ein Wort versteht. "Die Lage ist - anders als das Wetter - nach Auskunft meiner Gesprächspartner derzeit eher stabil - wobei man das Wort Stabilität im Libanon mit der gebotenen Vorsicht verwenden sollte. Aber wir sind hier eben nicht im Kaunertal (wo Van der Bellen aufgewachsen ist, Anm.) und auch nicht in Bad Vöslau, sondern im Libanon."

Zuletzt gab es Aufregung um mutmaßlich von der Hisbollah gegrabene Tunnels im Grenzgebiet zwischen dem Libanon und Israel. Das war auch Thema beim Gespräch von Bundespräsident Alexander Van der Bellen und dem libanesischen Präsidenten Michel Aoun am Dienstag. Letzterer sagte bei der gemeinsamen Pressekonferenz der beiden Präsidenten, dass die Entdeckung dieser Tunnel keine Gefährdung des Friedens darstellen würde. "Wir schauen ernsthaft auf diese Sache", sagte Aoun. Israel habe über die USA kommuniziert, dass es keine aggressiven Absichten hege. "Wir haben auch keine aggressiven Absichten", beruhigte der libanesische Präsident, "daher gibt es derzeit auch keine Gefahr für den Frieden."

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Die israelische Armee hatte in der vergangenen Woche zwei vom Libanon bis auf israelisches Territorium reichende "Angriffstunnel" gefunden. Die Schiitenmiliz habe durch die Tunnel Elitekämpfer in den Norden Israels schleusen wollen, die dort Kommandoaktionen hätten durchführen sollen, hieß es vonseiten der israelischen Armee. Einen Tunnel hat die israelische Armee bereits zerstört, für die Zerstörung des zweiten hat die israelische Armee auch die Hilfe der Blauhelme angefordert. Van der Bellen gegenüber wurde von Unifil-Seite die Existenz der Tunnel bestätigt. "Die Tunnel wurden durch Bohrungen von israelischer Seite festgestellt - man fand einen Hohlraum und einen Gang 1,7 Meter hoch, ein Meter breit. Bisher hat man weder einen Eingang noch einen Ausgang gefunden, der Tunnel liegt immerhin bis zu 20 und 25 Meter unter der Erde. Die Vermutung ist, dass die schon viele Jahre alt sind." Bei Unifil weiß man von Berichten, dass für Dorfbewohner im Jahr 2014 an manchen Orten Vibrationen spürbar waren.

Im Libanon vermutet man einen Zusammenhang zwischen den Korruptionsvorwürfen gegen den israelischen Premier Benjamin Netanjahu und der Aufregung um die Tunnel: Laut der libanesischen Zeitung "Daily Star" handelt es sich dabei um einen "PR Stunt", mit dem Netanjahu von einer Korruptionsaffäre, in die auch Netanjahus Frau Sara verwickelt ist, ablenken will.