Gastgeber Bundeskanzler Sebastian Kurz mit Äthiopiens Präsidentin Sahle-Work Zewde. - © apa/Hans Punz
Gastgeber Bundeskanzler Sebastian Kurz mit Äthiopiens Präsidentin Sahle-Work Zewde. - © apa/Hans Punz

Wien/Kigali. Ruandas Präsident Paul Kagame scheint für diesen Anlass ein idealer Partner für Sebastian Kurz zu sein. Wenn der Kanzler am Montagabend und Dienstag zum EU-Afrika-Forum nach Wien lädt, dann wird der Mitveranstalter auf afrikanischer Seite Kagame sein, dessen Land gerade den Vorsitz in der Afrikanischen Union führt. Das Treffen, an dem Staats- und Regierungschefs sowie Spitzenmanager aus beiden Kontinenten teilnehmen, steht unter dem Motto "Digitalisierung und Innovation". Und kaum ein anderes Land hat sich in Afrika so der Digitalisierung verschrieben wie Ruanda.

Start-ups werden gefördert und finden, auch mit der Hilfe ausländischer Stiftungen, für sie zugeschnittene Büroräumlichkeiten und finanzielle Förderer für vielversprechende Projekte. Mehr als 4500 Kilometer Glasfaserkabel durchziehen das Land, das vollkommen auf E-Governance und Effizienz setzt. Was oft auch funktioniert: So berichtet eine westliche Auswanderin, dass sie innerhalb von drei Tagen sämtliche notwendigen Bescheinigungen und Titel hatte, als sie sich in Ruanda ein Grundstück kaufte. Allerdings: Als der Regierungsserver ausfiel, ging tagelang überhaupt nichts.

Das Land sieht sich selbst als afrikanischer Tigerstaat, was sich auch im Straßenbild der Hauptstadt Kigali zeigt: Die Grünflächen sind akkurat geschnitten, die Stadt ist voller gläserner Bürogebäude, neuer Einkaufszentren und trendiger Kaffeehäuser, die mit ihren jungen Gästen, die vor Laptops sitzen, auch in einem Wiener Innenstadtbezirk sein könnten.

Investoren schwärmen von Ruanda und betonen, das sie hier im Gegensatz zu vielen anderen afrikanischen Staaten nicht mit Korruption konfrontiert sind. VW hat kürzlich erst ein Werk eröffnet, und in einer Industriezone in der Nähe von Kigali eröffnen internationale Textilfabriken ihre Tore. Die Kritik am autoritären Führungsstil von Präsident Kagame überlassen die Konzerne Menschenrechtsorganisationen.

Freilich ist nicht alles eitel Wonne in Ruanda: In einzelnen abgelegenen Regionen fehlt es noch am Notwendigsten, an Wasseranschlüssen und manchmal auch an ausgewogener, ausreichender Ernährung. Trotzdem: Das Land mit fast zweistelligen Wachstumsraten, das die Kindersterblichkeit in den vergangenen Jahren um fast zwei Drittel gesenkt hat, ist eines der afrikanischen Boomländer.

Kontinent mit verschiedenen Geschwindigkeiten