Kinshasa. (apa/reu/afp) Sicherheitskräfte im Osten der Demokratischen Republik Kongo sind am Donnerstag mit scharfer Munition und Tränengas gegen Demonstranten vorgegangen. Die Proteste richten sich gegen die Verschiebung der seit mehr als zwei Jahren überfälligen Präsidentenwahl in vier Wahlbezirken. Demonstranten attackierten unter anderem einige Ebola-Zentren.

In drei Wahlbezirken der Provinz Nord-Kivu im Osten des Landes und in einem Wahlbezirk der Provinz Mai-Ndombe im Westen sei der ursprünglich für den 30. Dezember geplante Urnengang auf kommenden März verlegt worden, erklärte die nationale Wahlkommission am Mittwoch. Die Demonstranten in den betroffenen Gebieten befürchten, dass sie dadurch effektiv von den Wahlen ausgeschlossen werden. Denn im Rest des Landes soll der Urnengang wie geplant am Sonntag stattfinden.

Massive Ebola-Epidemie

Als Gründe nannte die Kommission die anhaltende Gewalt und die weiter grassierende tödliche Seuche Ebola - die Behörde befürchtet, dass durch den Wahlgang das Virus weiterverbreitet werden könnte. Von der Wahlverschiebung sind auch die Städte Beni, Butembo und deren Umland betroffen. Diese Regionen sind Hochburgen der Opposition, die sich stets gegen Präsident Joseph Kabila gestellt hat.

Die Lokalpolitiker dieser Region haben den Beschluss der Wahlkommission scharf verurteilt. Diese Entscheidung sei ein Versuch, das Votum zugunsten des Regierungskandidaten Emmanuel Ramazani Shadary zu beeinflussen. "Eine Gruppe von Demonstranten hat versucht, das Büro der Wahlkommission zu stürmen, und verlangt, dass diese Behörde ihre Entscheidung revidiert", berichtet ein Bewohner der Stadt Beni der Nachrichtenagentur Reuters. "Aber Polizisten und Soldaten haben geschossen, um die Menge zu zerstreuen." Die Demonstranten haben auch ein Ebola-Zentrum gestürmt, und es sei möglich, dass Patienten geflohen sind, sagte Aruna Abedi, der stellvertretende Direktor der Ebola-Taskforce.

Die Regionen um Beni und Butembo sind besonders von der seit August grassierenden Ebola-Epidemie, der zweittödlichsten der Geschichte, betroffen. Bisher sind mehr als 350 Menschen der hochansteckenden Krankheit zum Opfer gefallen. Ein genaues Datum für die Wahl, die schon dreimal verschoben wurde, soll laut der Wahlkommission zu einem späteren Zeitpunkt festgelegt werden. Die Abstimmung wird der 18 Jahre andauernden Präsidentschaft Joseph Kabilas in dem rohstoffreichen Land ein Ende setzen.

Eigentlich hätte Kabila vor zwei Jahren abtreten müssen, er regierte mithilfe eines Verfassungsparagrafen weiter, wonach der Staatschef im Amt bleiben kann, bis eine Wahl abgehalten wurde. Zuletzt wurden die für den 23. Dezember angesetzten Wahlen um eine Woche verschoben.

Die Abstimmung stellt das Land vor erhebliche Herausforderungen. In der vergangenen Woche wurden tausende Wahlcomputer bei einem Brand in einem Lager. Am Donnerstag wurde zudem der EU-Botschafter aus dem Kongo verwiesen, weil die EU vor Kurzem ihre Sanktionen gegen mehrere kongolesische Politiker verlängert hat.