Bagdad. Die Stoßrichtung des US-Präsidenten ist klar: raus aus Syrien, rein in den Irak. Deutlicher hätte das Signal nicht ausfallen können, das Donald Trump an Weihnachten sendete, als er am Mittwochabend die amerikanischen Soldaten im Irak besuchte. Die Vereinigten Staaten "können nicht weiter der Weltpolizist sein", sagte er auf dem Luftwaffenstützpunkt Al-Asad in der Provinz Anbar, die im Nordwesten an Bagdad grenzt. In diesem Zusammenhang verteidigte Trump auch seine Pläne für einen vollständigen Abzug der US-Truppen aus Syrien. Dem Einsatz dort sei mittlerweile "genug Zeit" gegeben worden, so Trump. Außerdem sei die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien "weitgehend besiegt".

Dass dem nicht so ist, müsste auch Trump inzwischen erfahren haben. Gerade in Syrien kontrolliert der IS noch ein zusammenhängendes Territorium um Deir ez Zor, nahe der Grenze zum Irak. Im Irak selbst ist die Provinz Anbar, wo sich der Stützpunkt befindet, dem der US-Präsident seinen Besuch abstattete, wieder heftig umkämpft. Besonders an der Grenze zu Syrien um die Stadt Al Qa’im gibt es fast täglich wieder Überfälle und Angriffe der Dschihadisten. Beobachter sprechen von einem regen Austausch terroristischer Akteure zwischen Syrien und dem Irak.

Irak bleibt durch
Bodenschätze attraktiv

"Wir möchten nicht mehr von Ländern ausgenutzt werden, die uns und unser unglaubliches Militär nutzen, um sich zu schützen. Sie zahlen nicht dafür!", führte der Präsident seine Begründung für den Rückzug aus Syrien weiter aus. Es sei nicht fair, wenn allein die Vereinigten Staaten diese Last trügen. Mit Blick auf die zahlreichen US-Militäreinsätze in der Welt betonte Trump: "Wir sind auf der ganzen Welt verteilt. Wir sind in Ländern, von denen die meisten Menschen noch nicht einmal gehört haben. Ehrlich gesagt, es ist lächerlich."

In den ersten beiden Sätzen steckt der wahre Grund für den angekündigten Rückzug der US-Truppen aus Syrien, aber auch aus Afghanistan. Aus diesen Ländern ist nichts rauszuholen für die USA. Syrien ist weitgehend wieder in der Hand des Diktators Bashar al-Assad, und es ist sehr unwahrscheinlich, dass dieser jemals einen Deal mit Washington vereinbaren wird. Außerdem ist Syrien nicht sehr reich an Bodenschätzen. Es gibt kaum Öl und Gas. Dieselbe Situation besteht in Afghanistan. Die Taliban breiten sich immer weiter aus, die Anschläge häufen sich, die Amerikaner sind in der Defensive. Insider berichten, dass Trump über eine deutliche Reduzierung der US-Truppen in Afghanistan nachdenke. Mehr als 5000 der 14.000 US-Soldaten dort könnten in ihre Heimat zurückkehren, hatte ein mit dem Vorhaben vertrauter Regierungsmitarbeiter kürzlich berichtet. Denn wie in Syrien gibt es auch in Afghanistan kaum etwas, das der Doktrin des Präsidenten - "America First" - entsprechen könnte.