Der frühere Innenminister Shadary hat wenig eigenes Profil, er wurde vor allem als Mann von Kabilas Gnaden wahrgenommen. Deshalb war die Wahl auch eine Abstimmung über die Amtszeit Kabilas. Kaum ein Beobachter glaubt, dass Shadary sie gewonnen hat. Den Grund dafür fasst wohl am besten der kongolesische Journalist Jerome Sekana Pene Papa in einer Äußerung gegenüber dem Magazin "Foreign Policy" zusammen: Würde ein Kind ein Telefon stehlen, wäre es noch am selben Tag im Gefängnis. "Aber wenn jemand drei oder fünf Millionen Dollar unterschlägt? Ein paar Wochen später wird ihm ein neuer Posten anvertraut."

In dem rohstoffreichen Land hat sich unter Joseph Kabila nichts an der Korruption, die auch schon unter Langzeitdiktator Mobutu Sese Seko herrschte, geändert. Der Großteil der Bevölkerung ist bitterarm, durch weite Teile des Landes, vor allem im Osten, marodieren Milizen, und die Minen, die dem Kongo viel Reichtum bringen könnten, verschachern Politiker allzu oft mittels dubioser Deals an Geschäftsleute mit zweifelhafter Reputation.

Fraglich ist, ob sich durch einen Sieg der Opposition an diesen Zuständen etwas ändern würde. Wie es mit dem Kongo weitergeht, liegt vor allem an Joseph Kabila. Denn er hat nun viel zu verlieren.

Eine gemeinsam mit der Nachrichtenagentur Bloomberg veröffentlichten Studie der New York University dokumentierte, an welchen Geschäften die Kabila-Familie beteiligt ist, und nennt etwa Luxushotels, Mobilfunkunternehmen oder Restaurants. In einem Land ohne funktionierenden Rechtsstaat ist die beste Sicherheit für solche Geschäfte politische und militärische Macht. Sie war durch Kabilas Präsidentschaft garantiert. Nun liegt es im Interesse von Kabila und seiner Entourage, die politische Macht weiter in Händen zu halten oder zumindest mit dieser verwoben zu bleiben.

Doch es geht vielleicht um mehr als Geld. Der Kongo hat eine blutige Geschichte, in der oft Gewalt bis hin zum Mord die Art und Weise war, wie politisch Revanche genommen wurde. Viele Beobachter vermuten daher, dass Kabila sich sorgt, was es für seine persönliche Sicherheit bedeutet, wenn er die Macht verliert. Wie bei seinem Amtsantritt hat er auch bei seinem Abgang viel zu befürchten.