Washington D.C. Die Botschaft kam an, aber die Frage bleibt, inwieweit sie bei den amerikanischen Bürgerinnen und Bürgern hängen bleibt. Am Dienstagabend Ortszeit Washington D.C. gab US-Präsident Donald Trump eine auf allen großen Fernsehkanälen des Landes live ausgestrahlte Rede zur Lage an der Südgrenze, an der sich laut ihm eine "wachsende humanitäre und Sicherheitskrise" zusammenbraue. Unter nämlicher würden "alle amerikanischen Bürger leiden, weil sie öffentliche Ressourcen verschlingt und Löhne und Gehälter in den Keller treibt". Es handle sich um "eine Krise des Herzens und der Seele", wie es der Ex-Reality-TV-Star nannte.

Weil Trumps Argumente für den Bau einer Mauer zu Mexiko, die ihm zufolge die sofortige Abstellung von fünf Milliarden Dollar unabdingbar machen würde, faktisch kaum zu untermauern sind, appellierte der 71-Jährige emotional an die Öffentlichkeit; er erzählte Geschichten von Polizisten und Bürgern, die von illegalen Einwanderern brutal ermordet wurden, sprach über die aus Mexiko importierte Heroin-Epidemie und die Schicksale von eingeschleppten Kindern.

Doch keine Ausrufung des Ausnahmezustandes

All dem, so der Sukkus, könne man nur mit dem Bau einer physischen Barriere zum Nachbarland beikommen, und die Demokraten, deren Zustimmung er für die Bereitstellung des dafür nötigen Gelds braucht, müssten das verstehen - andernfalls bleibe jenes Viertel der Bundesregierung, dessen Mitarbeiter wegen des "Government Shutdowns" vor rund drei Wochen die Arbeit niederlegten beziehungsweise unbezahlt arbeiten, bis auf weiteres zugesperrt. Keine Überraschung das alles, auch wenn manche Kommentatoren bereits allein die Tatsache als Erfolg feiern, dass der unberechenbare Trump aufgrund der aktuellen Krise nicht den Ausnahmezustand erklärt hat.

Bis Anfang der Woche war von Seiten des Weißen Hauses noch von "4000 Terroristen" die Rede gewesen, die man angeblich in den vergangenen zwei Jahren bei der Einreise erwischt habe. Weil sich diese von Pressesprecherin Sarah Huckabee-Sanders in die Welt gesetzte Behauptung aber dann doch als zu offensichtlich erfunden erwiesen hatte, blieb ein Verweis darauf am Ende aus. Selbst Trump-Beraterin Kellyanne Conway war in diesem Punkt nur Stunden vor Trumps Rede zurückgerudert.

Aus der Perspektive des Präsidenten stellt sich die hinter der öffentlichen Mauerrede - seiner ersten - stehende Absicht mehrschichtig dar. Vor allem anderen sollte sie dazu dienen, seine Wählerbasis, beziehungsweise das, was von den 63 Millionen Amerikanern noch übrig ist, die ihm 2016 ihre Stimme gaben, zu befrieden.