Im Kongress hatten sich seine Republikaner und die Demokraten längst auf ein vorläufiges Budget und auf die Vermeidung einer Regierungskrise geeinigt. Der Präsident hatte ebenfalls Zustimmung signalisiert - bis er, wie dem Weißen Haus nahestehende Mitarbeiter gegenüber US-Medien einhellig bestätigten, wieder einmal zu viel Fernsehen schaute. Im US-Medienuniversum, das von "Fox News" angeführt und ein an Vielfalt wie Reichweite mittlerweile kaum mehr überschaubares Biotop von stramm konservativ bis offen rechtsradikal abdeckt, wurde ihm wegen seiner Zustimmung zu dem Budgetkompromiss gar Verrat unterstellt.

Motto: Wenn Trump nicht fähig ist, sein Nummer-eins-Wahlversprechen durchzusetzen, den Bau der Mauer zu Mexiko, warum haben wir ihn dann gewählt? Nachdem Einwanderungs-Hardliner wie sein Berater Stephen Miller, dessen Handschrift in der Rede offensichtlich war, in die gleiche Kerbe schlugen, entschied sich Trump für einen Alleingang - zum Preis, dass ein rundes Viertel der Bundesregierung die Arbeit einstellte.

Fast drei Wochen ist das her und langsam aber sich sicher treten die mit dieser Entscheidung einhergehenden Konsequenzen Stück für Stück zutage. Rund 800.000 vom "Government Shutdown" unmittelbar betroffene Mitarbeiter der Bundesbehörden müssen mittlerweile fürchten, wegen des politischen Streits in der Hauptstadt ein komplettes Monatsgehalt zu verlieren; ganz zu schweigen von den zunehmend von der Regierungskrise betroffenen Menschen, für deren Schutz und Fürsorge sie zuständig sind. Von den für Flughäfen und Bahnhöfe zuständigen Sicherheitsbeamten der Transport Security Administration über die Steuerbehörden bis hin zu den Sozialhilfe-Administratoren: Langsam aber sicher drohen schon bald zu viele Räder still zu stehen, mit potenziell katastrophalen Folgen.

Die Hängepartei geht
vorerst weiter

Was die Verhandlungen über eine Wiedereröffnung der Regierungsbehörden angeht, zieren sich die Demokraten indes mit gutem Grund: Politisch haben sie wenig zu verlieren und viel zu gewinnen. Wie die vergangenen Midterms bewiesen, in denen Trump wie im Präsidentschaftswahlkampf Einwanderung zum größten Problem der USA erklärte, hat das Thema bei der Mehrheit der Wähler offenbar seinen Appeal verloren. Trotz seines massiven Einsatzes im Wahlkampf gewannen die Demokraten 40 Sitze im Repräsentantenhaus und zahllose auf Bundesstaatsebene. Dementsprechend geht die Hängepartie vorerst weiter - aber anders als bei allen Regierungskrisen zuvor ist der Ausgang diesmal tatsächlich mehr als ungewiss.

Immerhin: Trump selbst war mit seinem Auftritt zufrieden. "Danke für soooo viele nette Kommentare betreffend meine Rede aus dem Oval Office. Eine sehr interessante Erfahrung!", twitterte er sofort, nachdem die Kameras ausgegangen waren.