Istanbul. Die Antwort aus der Türkei kam schnell: Außenminister Mevlüt Cavusoglu verkündete, strategische Partner und Verbündete sollten nicht über soziale Medien kommunizieren. Außerdem erklärte er, dass sich die Türkei nicht einschüchtern lasse. Und ein Sprecher von Präsident Recep Tayyip Erdogan bekräftigte, dass man in Syrien weiter gegen kurdische Milizen kämpfen werde.

Damit reagierte die Regierung in Ankara auf eine massive Drohung Trumps: Für den Fall eines Angriffs auf die kurdischen Milizen in Nordsyrien drohte er der Türkei via Twitter mit wirtschaftlicher Zerstörung. Trump erklärte auf dem Kurznachrichtendienst, der im Dezember angekündigte Abzug der US-Soldaten aus Syrien habe begonnen. "Werden die Türkei wirtschaftlich zerstören, wenn sie die Kurden angreifen", schrieb er zudem. Umgekehrt wolle er aber auch nicht, dass die Kurden die Türkei provozierten, verkündete der US-Präsident im Internet und sprach von einer Einrichtung einer Sicherheitszone von 20 Meilen (etwa 32 Kilometer). Einzelheiten dazu nannte er nicht. Gegenüber einer derartigen Sicherheitszone zeigte sich die Türkei offen.

Die Beziehungen zwischen der Türkei und den USA sind gespannt: Washington unterstützt in Nordsyrien die Kurdenmiliz YPG im Kampf gegen den IS. die Türkei sieht hingegen die YPG als Terrororganisation an und hat angekündigt, sie zu zerschlagen. Seit der Ankündigung des Abzugs der US-Truppen aus Syrien gibt es Sorge vor einem dadurch entstehenden Sicherheitsvakuum im Norden und Osten Syriens. Die Kurden befürchten nach einem US-Abzug eine Offensive der Türkei auf syrischem Gebiet. Trump wird auch von Spitzenvertretern seiner Republikaner vorgeworfen, mit dem Syrien-Abzug die Kurden im Stich zu lassen.

Washington sorgt sich um kurdische Verbündete

Die türkische Armee hatte am Wochenende ihre Truppen an der Grenze zur nordsyrischen Provinz Idlib verstärkt. Sicherheitsvertreter wollten sich aber nicht dazu äußern, ob dies die Vorbereitung auf einen Einsatz jenseits der Grenze ist. Im Dezember hatte Erdogan eine Offensive gegen die kurdischen Truppen vorerst auf Eis gelegt, nachdem die USA ihren Truppenabzug aus Syrien angekündigt hatten. Am Donnerstag betonte Außenminister Mevlüt Cavusoglu in einem Interview des Senders NTV allerdings, dass die Türkei losschlagen werde, sollten die USA ihren Abzug zu lange hinauszögern.

Trotz der türkischen Drohungen hatte sich US-Außenminister Mike Pompeo am Wochenende zuversichtlich gezeigt, dass sich die USA und die Türkei auf den Schutz der kurdischen Truppen einigen könnten. Die USA wollten sicherstellen, "dass die Türken die Kurden nicht abschlachten", sagte er. Pompeo berichtete, dass er mit seinem Amtskollegen Cavusoglu gesprochen habe, und er zuversichtlich sei, obwohl noch viele Details ausgearbeitet werden müssen. Über die konkreten Rückzugspläne der USA, die 2000 Soldaten in Syrien stationiert haben, herrscht seit Tagen Verwirrung, weil sich US-Vertreter widersprüchlich dazu äußerten.

Bereits im Vorjahr hatte die Türkei die wirtschaftliche Macht der USA zu spüren bekommen: Im Zuge des Streits um einen in der Türkei festgehaltenen US-Pastor hatten die USA Sanktionen gegen zwei Minister und Strafzölle gegen Ankara verhängt. Damit beschleunigte Washington die Talfahrt der Lira. Die Türkei musste letztlich einlenken und den Pastor freilassen.