Kinshasa/Wien. Es ist eine Intrige, die sich Drehbuchautoren nicht besser ausdenken hätten können: Ein Präsident will nicht von der Macht lassen, kann allerdings wegen der Verfassung und des internationalen Drucks nicht mehr zu der Wahl antreten. Er schickt einen Strohmann ins Rennen. Dieser schneidet so schlecht ab, dass es eine zu dreiste und augenscheinliche Manipulation wäre, ihn zum Sieger zu erklären.

Unter der "Opposition" gibt es zwei Kandidaten: Einen, mit dem der Präsident ganz gut auskommt, während der zweite ein erbitterter Gegner des Präsidenten ist. Das Problem: Der Gegner hat die Wahl gewonnen.

Der Präsident trifft sich daraufhin mit dem ihm freundlich gesinnten Oppositionskandidaten und bietet ihm einen Deal an: Der Präsident und seine Entourage sorgen dafür, dass das Ergebnis derart manipuliert wird, dass der eigentlich bei der Wahl unterlegene Oppositionelle gewinnt. Dafür teilen sie sich die Macht.

Genau das scheint sich im Kongo abgespielt zu haben. Der Präsident ist Joseph Kabila, der ihm freundliche gesinnte Oppositionskandidat Felix Tshisekedi, der den Großteil seines Lebens in Europa verbracht hat und von der Reputation seines Vaters, einer langjährigen Ikone der Opposition, lebt. Der große Gegner des Präsidenten ist Martin Fayulu. Hinter dem früheren Manager des Konzerns Öl-Exxon stehen einst einflussreiche Politiker, die Kabila im Laufe der Jahre entmachtet hat.

Daten sprechen eine deutliche Sprache

Die Wahlkommission Ceni erklärte Tshisekedi zum Sieger, angeblich hat er 38,6 Prozent der Stimmen erhalten. Doch es mehren sich die Indizien, dass Fayulu der Sieg geraubt wurde. So hat die katholische Bischofskonferenz, die 40.000 Wahlbeobachter im ganzen Land im Einsatz hatte, verkündet, dass sie auf ganz andere Ergebnisse kam - ohne einen Sieger zu nennen. Internationalen Medien haben aber Dokumente der Kirche erhalten, und diese weisen Fayulu als Sieger aus. Die "Financial Times" hat zudem Datensätze der Wahlkommission Ceni von 62.716 elektronischen Wahlmaschinen zugespielt bekommen, in denen 15 der 18 Millionen abgegebenen Stimmen zusammengetragen wurden. Auch diese sehen Fayulu mit 59,4 Prozent der Stimmen eindeutig vorne.

Fayulu selbst hat schon erklärt, dass er das offiziell verkündete Ergebnis der Wahlkommission für einen Diebstahl halte. Er ist vor das Verfassungsgericht gezogen und fordert eine Neuauszählung der Stimmen.