Washington. US-Präsident Donald Trump hat den längsten "Shutdown" der US-Geschichte beendet - mit einer krachenden Niederlage für sich selbst. Ohne Zusage für Geld zum Bau einer Grenzmauer macht er die Regierung wieder auf - nicht ohne neue Drohungen auszustoßen.

Verspätete Flüge und verzweifelte Menschen, Lebensmittelspenden für Staatsdiener und ein Donald Trump, der seine Meisterin ausgerechnet in einer 78 Jahre alten Washington-Veteranin, Nancy Pelosi, fand: 35 Tage lang hat der "Shutdown", der von einem erbitterten Streit um eine Grenzmauer zu Mexiko herbeigeführte Teil-Stillstand der US-Bundesregierung zu einem Politspektakel geführt, wie es vielleicht nur die US-Hauptstadt zu bieten in der Lage ist. Und zu echten Geldproblemen bei Bediensteten.

Jetzt ist er vorbei. Erst einmal. Und Trump scheint kaum etwas erreicht zu haben. Erst einmal. In dem Übergangshaushalt, der nun schleunigst durch die beiden Parlamentskammern gejagt werden muss, wird kein Geld für eine Grenzmauer nach Mexiko vorgesehen sein - eine krachende Niederlage für Trump. Sollte es auch bis zum 15. Februar keine Einigung auf Geld für sein Prestigeprojekt geben, kündigte er an, er werde seine Macht nutzen, und den Notstand ausrufen - oder das Land wieder in den "Shutdown" führen.

Für die Verkündung der vorläufigen Einigung wählte Trump den Rosengarten des Weißen Hauses aus - einen Platz, den Donald Trump nur für die wichtigsten seiner zahlreichen Auftritte reserviert. Viele Kabinettsmitglieder stellten sich als Claqueure zur Verfügung, obwohl es eigentlich nichts zu feiern gab. Erst am Vortag waren zwei rivalisierende Gesetzentwürfe in Bausch und Bogen im Senat durchgefallen. Kompromisslinie? Fehlanzeige.

"Shutdowns" hat es in der US-Geschichte schon viele gegeben. Wenn die Parteien im Kongress sich nicht auf ein Haushaltsgesetz einigen können, darf irgendwann kein Geld mehr freigegeben werden. Museen und Behörden, Nationalparks und Ministerien bleiben dann weitgehend zu. Je länger ein solches Szenario dauert, desto größer sind die Auswirkungen. Und Trump ist auch hier Rekordhalter. Noch kein Präsident vor ihm hatte einen Regierungsstillstand von 35 Tagen Länge zu verantworten.

Mit drastischen Folgen. Für die 800.000 Staatsbediensteten, die seit mehr als einem Monat ohne Bezahlung arbeiten oder im Zwangsurlaub ausharren, ist die Einigung eine große Erleichterung. Für die meisten ist an diesem Freitag zum zweiten Mal die Gehaltszahlung ausgefallen. Das bringt viele in echte Not. Viele Amerikaner haben keine Rücklagen. Wenn da plötzlich das Gehalt ausbleibt, ist es schwierig, überhaupt die Miete zu zahlen.