Das geht auch Kirsten so. Die 39-jährige Amerikanerin arbeitet seit 14 Jahren für den Staat. Sie macht rechtliche Beratung für Gefängnisinsassen. Seit mehr als vier Wochen tut sie das ohne Bezahlung. Kirsten steht an diesem Freitagmittag Schlange bei einer Essensausgabe im Washingtoner Zentrum. Etwa mittig zwischen dem Weißen Haus und dem Kapitol hat der Sternekoch Jose Andres eine temporäre Hilfsküche aufgemacht, wo Bundesbedienstete, die vom "Shutdown" betroffen sind, eine warme Mahlzeit bekommen können.

Kirsten war seit der Eröffnung der Essensausgabe Mitte Jänner fast jeden Tag hier. "Jede Mahlzeit, die ich hier essen kann, spare ich zu Hause", sagt sie. Manchmal bringt sie auch ihre Kinder mit. Kirsten hat einen zehnjährigen Sohn und eine elfjährige Tochter. Ihr Mann hat einen Teilzeitjob, ein bisschen Geld kommt also rein, aber die vierköpfige Familie kommt wegen des "Shutdowns" kaum über die Runden. "Im Moment zahlen wir nur die allernötigsten Rechnungen, damit die Heizung läuft und der Strom nicht abgestellt wird", erzählt Kirsten. Für alles andere sei kein Geld da. Der Zustand sei belastend und demoralisierend, klagt sie. "Das ist wirklich hart."

Trump trieb es auf diese Spitze, weil sein zentrales Wahlkampfversprechen auf dem Spiel steht. Mit dem "Shutdown" Geld für den Bau einer Grenzmauer zu Mexiko quasi zu erpressen, war die vorerst letzte Chance für das Projekt, mit dem Trump bei seinen Anhängern im Wahlkampf und auch danach so viele Punkte einheimsen konnte.

Die oppositionellen Demokraten, angeführt von der 78 Jahre alten Nancy Pelosi, warfen die Schlinge aus, und Trump verfing sich. Regierungsmitarbeiter, die ihre Hypotheken nicht mehr bezahlen konnten, Fluggäste, die mangels bezahlten Personals in langen Schlangen vor dem Sicherheitscheck warteten, Verzögerung bei der Steuererklärung - all das wurde vielen Umfragen zufolge vor allem Trump angelastet. Nur einer verschwindend geringen Minderheit war der Bau einer Mauer das alles wert.

Als Pelosi es dann auch noch gelang, Trump für dessen geplante Rede zur Lage der Nation aus dem Repräsentantenhaus auszusperren, war für den so stark auf Prestige und Öffentlichkeitswirkung programmierten Präsidenten das Maß offenbar voll. Ein Deal und damit Schadensbegrenzung mussten her.

Und der Deal musste verkauft werden. FoxNews, der genauso getreue wie konservative Haussender des Präsidenten, nannte die Frage, ob dies gelingt, "einen der wichtigsten Momente seiner Präsidentschaft". Trump kündigte nun ein aus Vertretern beider Parteien bestehendes Gremium an, das in den nächsten drei Wochen über Grenzsicherheit beraten soll. Aus seiner einst verkündeten 2.000 Meilen langen Betonmauer ist inzwischen schon eine "intelligente, durchsichtige Stahlbarriere" geworden. Nur dort, wo nötig, solle sie gebaut werden. Wieweit Trump in den nächsten Tagen noch zurückrudern muss, wird vom Verhandlungsgeschick der Parlamentarier abhängen. Vorerst bleibt er bei seinem Wahlspruch: "Mauern funktionieren."

Kirsten wird sich am Wochenende erst einmal wieder an der Essensausgabe anstellen. "Solange ich mein Gehalt nicht auf dem Konto habe, komme ich weiter hierher", sagt sie. Trump versprach, er werde sich beeilen mit der Überweisung.