Caracas/Brüssel. Die EU will ein "humanitäres Büro" in Caracas für Hilfsleistungen in Venezuela einrichten. Wie die EU-Kommission in Brüssel ferner mitteilte, bewilligte sie am Dienstag weitere humanitäre Hilfe für das südamerikanische Krisenland in Höhe von fünf Millionen Euro.

Mit dem Geld sollen Medikamente und medizinische Versorgung sowie Zugang zu Trinkwasser und Bildung finanziert werden. Nach Angaben der EU-Kommission hat die EU im Vorjahr Venezuela mit humanitärer Hilfe im Umfang von 34 Millionen Euro unterstützt.

Erdogan: Demokratie-Missachtung seitens EU

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat den Europäern vorgeworfen, die Demokratie in Venezuela zu missachten und zu versuchen, den umstrittenen venezolanischen Staatschef Nicolás Maduro zu stürzen. "Auf der einen Seite sprecht ihr von Wahlen und Demokratie, doch dann stürzt ihr durch List und Gewalt eine Regierung", sagte Erdogan am Dienstag vor den Abgeordneten seiner Partei in Ankara.

Die meisten EU-Staaten hatten am Montag den venezolanischen oppositionellen Parlamentschef Juan Guaidó als Übergangspräsidenten anerkannt. Die Türkei steht dagegen weiter fest zu Maduro, mit dem es seit langem enge Beziehungen unterhält. Erdogan warf den EU-Staaten nun vor, Venezuela als ihre "Provinz" zu behandeln. Es sei nicht möglich, einem durch Wahlen an die Macht gelangten Politiker zu sagen, er müsse gehen, kritisierte Erdogan.

Maduro war bei der Präsidentenwahl im Mai 2018 im Amt bestätigt worden, doch wurde die Abstimmung von massiven Fälschungsvorwürfen überschattet. Sein Herausforderer Guaidó erklärte sich daher im Jänner selbst zum Übergangspräsidenten. Mehrere EU-Staaten setzten Maduro daraufhin eine Frist von acht Tagen, um neue Präsidentschaftswahlen anzusetzen. Als er diese verstreichen ließ, erkannten die meisten EU-Staaten Guaidó an.

Moskau unterstützt Maduro und fordert Dialog

Nach Ansicht des russischen Chefdiplomaten Sergej Lawrow kann die Staatskrise in Venezuela noch im Dialog zwischen Regierung und Opposition gelöst werden. Nur so könne die Krise überwunden werden, sagte Außenminister Lawrow am Dienstag der Nachrichtenagentur RIA. "Andernfalls wird es einfach nur denselben Machtwechsel geben, den der Westen schon mehrfach vollzogen hat."

Russland bewertet die Lage in Venezuela nach der Anerkennung des selbst ernannten Interimspräsidenten Juan Guaidó durch viele europäische Staaten als alarmierend. "Wenn sie einfach aus dem Ausland erklären, dass es jetzt einen neuen amtierenden Präsidenten in Venezuela gibt, das übersteigt jede Vorstellung", so Lawrow am Dienstag vor Studenten der Universität Duschanbe in der Hauptstadt von Tadschikistan. Das Prinzip, sich nicht in die inneren Angelegenheiten eines souveränen Staates einzumischen, sei eklatant verletzt worden.

Russland steht als eines der wenigen Länder an der Seite von Staatschef Nicolás Maduro und seiner Regierung. Der Kreml hatte dem Politiker des ölreichen Landes mehrfach Unterstützung zugesichert. Die russische Ölindustrie verfolgt Interessen in dem Land.