Kinshasa. Die Wahlen im Kongo waren hoch umstritten. Bei den Parlaments- und Provinzwahlen holte sich die Regierungspartei "Gemeinsame Front für den Kongo" (FCC) laut Wahlkommission die meisten Sitze. Das wird schwer angezweifelt - ebenso wie das Ergebnis der Präsidentenwahl. Das Votum hat laut Wahlkommission Felix Tshisekdi gewonnen - doch gibt es Berichte darüber, dass er mit Joseph Kabila, der von 2001 bis Anfang 2019 Präsident war und nun nicht mehr zur Wahl antreten durfte, eine Machtteilung abgesprochen hat. Tshisekedis Sieg wurde auch vom Verfassungsgerichtshof bestätigt. Internationalen Medien wurden Daten aus der Wahlkommission als auch von der katholischen Kirche, die das Votum im ganzen Land beobachtet hat, zugespielt. Diese Dokumente belegen, dass tatsächlich der Oppositionelle Martin Fayulu die Wahl mit rund 60 Prozent der Stimmen gewonnen hat. Der frühere Ölmanager weigert sich, das Ergebnis zu akzeptieren. Der "Wiener Zeitung" gab er nun ein Interview, in dem er darlegt, wie er gegen das Wahlergebnis vorgehen will.

"Wiener Zeitung": Herr Fayulu, wo befinden Sie sich derzeit und womit beschäftigen Sie sich?

Martin Fayulu: Ich bin in Kinshasa in meinem Büro und bereite mich auf die nächsten Schritte vor, nachdem ich nun einen Brief an die Afrikanische Union geschrieben habe. Ich habe eine Tour durch das Land vorbereitet, die am Donnerstag losgehen wird. Ich werde in die Provinz Nord-Kivu reisen, in die Stadt Butembo und dann nach Goma. Danach nach Kikwit in West-Kongo und weiter nach Mathadi.

Was versprechen Sie sich von dieser Tour?

Ich will die Kongolesen treffen, die mich gewählt haben und ihnen versichern, dass ihre Wählerstimmen nicht verloren sind und dass ich alles unternehmen werde, um dem kongolesischen Volk zum Sieg zu verhelfen.

Empörung herrscht bei Fayulus Anhängern. - © apa/afp/John Wessels
Empörung herrscht bei Fayulus Anhängern. - © apa/afp/John Wessels

Warum haben Sie sich mit einem Brief an die Afrikanische Union gewandt?

Weil die Afrikanische Union gesagt hat, dass es ernsthafte Zweifel an den Wahlergebnissen gibt. Die Afrikanische Union hatte damals vorgeschlagen, eine hochrangige Delegation zu schicken, um alle Akteure an einen runden Tisch zu setzen und eine effektive Lösung zu suchen. Doch die Afrikanische Union hat diese Reise verschoben. Deswegen habe ich sie jetzt noch einmal gebeten, eine Kommission einzurichten, die die Wahlergebnisse verifiziert und prüft, wer die Präsidentschafts- sowie die Abgeordnetenwahlen wirklich gewonnen hat. Denn die Ergebnisse der Wahlkommission sind auf allen Ebenen nicht korrekt. Sie wurden fabriziert. Wenn die AU der Ansicht ist, dass sich die Wahlüberprüfung nicht so einfach und schnell bewerkstelligen lässt, dann schlage ich vor, die Wahlen im Kongo in sechs Monaten zu wiederholen.