"Können Problem nicht in dreieinhalb Tagen lösen"

Die Erwartungen an das Treffen, das 18 Jahre nach den ersten großen Enthüllungen in den USA stattfindet, sind hoch. Die Männer des Papstes versuchen deshalb, die "übersteigerte Erwartungshaltung" der Öffentlichkeit an die Konferenz kenntlich zu machen. "Wenn einer denkt, in dreieinhalb Tagen könne man das Problem definitiv lösen, ist das realitätsfern", sagt Pater Federico Lombardi. Der ehemalige Vatikansprecher moderiert die Veranstaltung, die im Plenum, aber auch in Sprachgruppen stattfinden wird und dem von Franziskus bevorzugten Diskussionsformat einer Synode ähnelt. Fünf Kardinäle, ein Erzbischof, aber auch drei Frauen werden Impulsreferate halten. Eine Bußliturgie sowie eine Abschlussmesse finden statt, allerdings ohne Teilnahme der Öffentlichkeit im Apostolischen Palast. Ein Abschlussbericht mit konkreten Zielen, Forderungen oder gar Anordnungen ist nicht geplant. Der Papst wird ein Schlusswort halten. Wie es nach der Konferenz konkret weitergeht, hängt ganz von Franziskus ab.

Im Vorhinein teilte der Vatikan mit, es sei wesentlich, dass die Bischöfe nach ihrer Rückkehr aus Rom "die anzuwendenden Gesetze kennen sowie die notwendigen Schritte unternehmen, um Missbrauch zu verhindern, sich um die Opfer zu kümmern und sicherzustellen, dass kein Fall vertuscht oder begraben wird".

Eine besondere Rolle spielt dabei das Thema der Rechenschaftspflicht der Bischöfe. Während früher in der Kirche flächendeckend vertuscht wurde, hat auch der Papst inzwischen die Pflicht zur Aufklärung erkannt.

Im Jahr 2016 ordnete Franziskus einen Mechanismus für die Schaffung von Ad-hoc-Gerichten für vertuschende Bischöfe an. Wie genau die Prozesse funktionieren, wissen selbst im Vatikan die wenigsten. Die Zusammensetzung der Gremien ist ebenso unklar wie ihre Überwachung. Wie viele Bischöfe sich dabei bislang verantworten mussten, wissen Kirchenexperten nicht. Die Crux ist bis heute, dass letztendlich der Papst für die 5100 katholischen Bischöfe verantwortlich ist und die letzte Entscheidung hinter verschlossenen Türen trifft.

Kirche muss Antwort auf existenzielle Fragen finden

Um wirkliche Fortschritte beim Kinderschutz zu machen, steht der katholischen Kirche eine Art Gewaltenteilung bevor, über die wohl kaum am kommenden Wochenende entschieden wird. Im Schlepptau des Themas Missbrauch harren einige für die Kirche existenzielle Fragen einer Antwort. "Es geht letztendlich auch darum, wie die Kirche insgesamt mit Macht umgeht", sagt Organisator Zollner. Mittelfristig sei davon auszugehen, dass in der Kirche stärker über die Beteiligung von Laien, darunter auch Frauen, nachgedacht werde. "Denken Sie etwa an die Erzdiözese München-Freising, wo zahlreiche Laien und insbesondere Frauen in höheren Positionen sind", sagt der Jesuit. So etwas habe Auswirkungen und fände Nachahmer.

Im Vatikan wird darauf hingewiesen, dass die Konferenz den Anfang eines Prozesses bildet und nicht sein Ende. Das zu hören ist vor allem für die Betroffenen schmerzhaft, die seit Jahrzehnten Transparenz, das Ende jeder Vertuschung und klare Vorgehensweisen fordern. Auch den verschiedenen Aspekten des Missbrauchs wird auf weltkirchlicher Ebene noch kaum Rechnung getragen. Der Missbrauchsgipfel hat den Kinderschutz zum Thema, wie die Kirche mit missbrauchten jungen Erwachsenen, Ordensschwestern und insbesondere Frauen umgehen will, ist weiterhin völlig offen.