Dhaka. Bangladesch ist ein armes Land und gleichzeitig eines, das in den vergangenen Jahren einen Aufschwung erlebt hat. Gerade in der Entwicklungspolitik und in der Armutsbekämpfung gelten die Maßnahmen des südostasiatischen Staates teilweise als vorbildlich. Zudem hat er sich immer mehr industrialisiert. Billige Arbeitskräfte und eine steigende Mittelschicht machen das Land auch für westliche Investoren immer attraktiver.

Eine "Win-win-Situation" für beide Staaten ortete vor diesem Hintergrund Bangladeschs Außenminister Abdul Momen am Mittwoch bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seiner Amtskollegin Karin Kneissl, die die Hauptstadt Dhaka besucht hat. Bei den Gesprächen sei eine verstärkte Kooperation in den Bereichen Investment und Technologietransfer erörtert worden. Im Zuge eines Luftfahrtabkommens, das in Bälde abgeschlossen wird, soll es in Zukunft auch Linienflüge zwischen Wien und Dhaka geben. Momen erklärte, dass es für österreichische Firmen unterschiedlichste Bereiche gebe, in kleinem oder großem Stil in dem südasiatischen Land zu investieren. Kneissl strich die Beteiligung österreichischer Firmen im Wirtschaftsprozess Bangladeschs bevor, die vorwiegend im Bausektor und in der Medizintechnik engagiert sind. "Bangladesch bietet Österreich einen großen Markt von 160 Millionen Menschen."

Gemeinsam mit Außenminister Momen und seinem Kollegen für Information und Kommunikationstechnologie, Zunaid Ahmed Palak, nahm sie auch an einem Business-Lunch mit österreichischen Firmen teil, die in Bangladesch engagiert sind. Vertreten waren unter anderem die Unternehmen Andritz Hydro, bit media, Rosenbauer, Vace Systemtechnik, Vamed, Red Bull und die Raiffeisenbank.

Außenminister Momen erinnerte auch daran, dass Österreich eine führende Rolle im Unabhängigkeitsprozess seines Landes gespielt habe, weil Wien 1972 die Eigenständigkeit des zuvor zu Pakistan gehörenden Landes als einer der ersten Staaten anerkannt habe. Die österreichische Außenministerin wiederum lobte die "beeindruckende Entwicklung" Bangladeschs in den vergangenen zehn Jahren. Es sei gelungen, das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in diesem Zeitraum zu verdreifachen. Es beträgt freilich mit 4082 Euro pro Einwohner immer noch nur rund ein Zehntel des österreichischen Werts von 42.060 Euro.

Kneissl verkündete zudem, dass Österreich 500.000 Euro aus dem Katastrophenfonds zur Verfügung stellen wird, um Bangladesch die Betreuung von Rohingya-Flüchtlingen aus Myanmar zu erleichtern.

Zudem stand am Mittwoch auch ein Höflichkeitsbesuch bei Ministerpräsidentin Sheikh Hasina auf dem Programm. Hasina war am 7. Jänner zum vierten Mal als Premierministerin vereidigt worden. Die 71-Jährige ist eine Tochter des Staatsgründers Scheich Mujibur Rahman, des 1975 ermordeten ersten Präsidenten von Bangladesch. Sie ist seit 2009 im Amt und regierte auch schon von 1996 bis 2001. Die Opposition sowie Menschenrechtsaktivisten werfen Hasina einen autoritären Regierungsstil vor.

Pikanter Besuch in Nepal

Ab Donnerstag besucht Kneissl dann Nepal. Diese Visite entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie: Die parteifreie Außenministerin, die auf einem Ticket der international vielerorts als rechtspopulistisch eingestuften FPÖ in der Regierung mit der ÖVP sitzt, wird in dem Himalayastaat am Freitag die Spitzen einer marxistisch-leninistisch orientierten Regierung mit maoistischen Einsprengseln treffen.