Washington. US-Abgeordnete gehen dem Verdacht nach, dass Präsident Donald Trump möglicherweise den Verkauf sensibler Atomtechnologie an Saudi-Arabien vorantreibt. Mehrere Informanten hätten auf einen möglicherweise strafbaren Interessenskonflikt hingewiesen, erklärte der permanente Untersuchungsausschuss des Repräsentantenhauses in Washington.

Von den Geschäften könnten nach seinen Angaben US-Unternehmen profitieren, die in enger Verbindung zur Trump-Regierung stehen. Der Ölstaat Saudi-Arabien hatte im vergangenen März offiziell den Einstieg in die Atomenergie beschlossen. Geplant ist der Bau von bis zu 16 Atomkraftwerken in den kommenden 20 Jahren. Von den USA gelieferte Atomtechnologie könnte laut den Befürchtungen des von den oppositionellen Demokraten dominierten Untersuchungsausschusses jedoch eventuell auch für den Bau einer Atombombe genutzt werden. Dies würde die Spannungen zwischen Saudi-Arabien und seinem Erzrivalen Teheran weiter massiv verschärfen.

In einem ersten Bericht des Ausschusses heißt es, "starke private kommerzielle Interessen übten aggressiv Druck aus", um sensible Technologie nach Saudi-Arabien zu verkaufen. Diese hofften auf Milliardeneinnahmen "durch Verträge, die im Zusammenhang mit dem Bau und Betrieb von Atomanlagen in Saudi-Arabien stehen". Demnach stehen die Betreffenden "offenbar bis zum heutigen Tag in engem und wiederholtem Kontakt mit Präsident Trump und seiner Regierung".

Der Ausschussvorsitzende Elijah Cummings forderte das Weiße Haus auf, unter anderem Dokumente zu einem Treffen auszuhändigen, das kurz nach dem Amtsantritt Trumps zwischen dessen Schwiegersohn und Berater Jared Kushner und dem heutigen saudi-arabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman stattgefunden hatte.

Khashoggi-Mord kleingeredet

Laut dem Ausschussbericht hat sich vor allem das US-Unternehmen IP3 International für den Bau von Atomanlagen in Saudi-Arabien eingesetzt. Eine Tochterfirma von IP3 führte 2016 den Ex-General Michael Flynn als Berater auf. Flynn war zu Beginn von Trumps Amtszeit kurzzeitig Nationaler Sicherheitsberater im Weißen Haus.

Flynn musste nach nur rund dreiwöchiger Amtszeit zurücktreten, weil er über seine Kontakte zum russischen Botschafter gelogen hatte. Er bekannte sich später unter dem Druck der Untersuchungen des Russland-Sonderermittlers Robert Mueller der Falschaussagen schuldig.

Die Kontakte von IP3 bis an die Spitze der Regierung halten unterdessen offensichtlich bis in die Gegenwart an. Der von Cummings geleitete Ausschuss zeigte sich besorgt über einen Bericht der Politikwebsite "Axios", wonach Trump in der vergangenen Woche mit Vertretern des Unternehmens zusammengetroffen sein soll.

Ein anderer starker Befürworter des Transfers von Atomtechnologie nach Saudi-Arabien ist der US-Geschäftsmann Thomas Barrack. Er hatte die Feierlichkeiten zur Amtseinführung Trumps organisiert.

Barrack sorgte kürzlich für Empörung, als er den von einem saudiarabischen Kommando im Oktober in Istanbul verübten Mord an dem regierungskritischen Journalisten Jamal Khashoggi in seiner politischen Bedeutung herunterzuspielen versuchte. Die in den USA verübten Gräuel seien "das Gleiche oder schlimmer", sagte er bei einem Forum.

Die Trump-Regierung hält trotz des Mordes an ihrer engen Partnerschaft mit Riad fest - obwohl der US-Geheimdienst CIA laut Medienberichten zu dem Schluss gelangte, dass Kronprinz bin Salman wahrscheinlich hinter dem Verbrechen gesteckt habe. Auch einige Republikaner kritisieren in diesem Punkt Trump.