Die rebellischen Auftritte gegen ihre Partei haben Elise Stefanik einiges an Aufmerksamkeit gebracht. Militär, Klimawandel, Frauen: Für die 34-Jährige sind US-Präsident Trump und die Mehrheit der Republikaner in vielen Punkten auf dem Holzweg. So stimmt die Abgeordnete im Repräsentantenhaus gegen die Parteilinie oder ruft Aktionen ins Leben, die der Parteiführung klar widerstreben. "Ich denke doch nicht daran, erst um Erlaubnis zu fragen", sagt sie dann. Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, gilt sie als Hoffnung für die Zukunft der Republikaner.

Als Donald Trump ein Einreiseverbot gegen Menschen aus sieben mehrheitlich muslimischen Ländern verhängte, war Stefanik dagegen. Die Gerichte gaben ihr bald recht. Auch als der Präsident Superreiche und Konzerne mit billionenschweren Steuergeschenken beglückte, stimmte Stefanik dagegen - diesmal vergebens. Später stemmte sie sich erneut gegen ihren Präsidenten, nachdem dieser angekündigt hatte, dass die USA aus dem Übereinkommen von Paris aussteigen werden. Darin bekennen sich die Teilnehmer zu einer Begrenzung der menschengemachten globalen Erwärmung. Spätestens hier konnte man überrascht sein. Denn einerseits ist sie eine starke Befürworterin der umstrittenen XL-Keystone-Pipeline, die unabsehbare Folgen für die Umwelt haben kann. Andererseits kommt sie aus dem Stall von Ex-Präsident George W. Bush. Der hatte seinerzeit den Beitritt zum Paris-Vorgänger, dem Kyoto-Protokoll, verweigert.

Doch Stefanik geht ohnedies ihren eigenen Weg. Als Mädchen sei sie als Streberin verschrien gewesen, erinnert sie sich gegenüber der "New York Post". Sie war in der Schülervertretung aktiv und schloss mit Vorzug das Mädchenpensionat Albany Academy for Girls ab. Danach studierte sie Politikwissenschaften an der Eliteuniversität Harvard. Dort wurde sie mit dem Women’s Leadership Award ausgezeichnet, der für außerordentliche Führungsqualitäten und Vorbildwirkung für Kollegen vergeben wird. Nach Abschluss des Studiums begann Stefanik ab 2006 für George W. Bush im Weißen Haus zu arbeiten. 2014 wagte sie im Alter von erst 29 Jahren selbst den Schritt in die Politik. Sie kandidierte als Abgeordnete für einen Bezirk im Bundesstaat New York, der bis dahin in demokratischer Hand gewesen war. Sie gewann klar und wiederholte ihren Erfolg im Jahr 2016.

Im Kongress saß sie dann im Ausschuss für die US-Streitkräfte. Überhaupt hat sie eine gewisse Affinität für Waffen und Militär und lässt sich schon einmal publikumswirksam mit ihrer Schrotflinte beim Tontaubenschießen ablichten. Die Reduktion des Militärbudgets lehnte sie ab. John Bolton, einer der Architekten des Irakkriegs 2003, war begeistert von ihr und unterstützte sie bei ihrer Wiederwahl im Jahr 2018. Nach dem schlechten Abschneiden der Republikaner hat sie nun ein neues Projekt: Künftig sollen mehr Frauen für die Republikaner bei den Wahlen antreten. Denn im 435 Abgeordneten-Repräsentantenhaus sind lediglich 13 Republikanerinnen vertreten. Umgekehrt hatten Frauen einen großen Anteil am Sieg der Demokraten. Stefanik rief eine eigene Organisation ins Leben, die nun den Frauenanteil unter den Republikanern heben soll.