Abuja. (dpa) Mit einer Woche Verspätung wählt Afrikas Land der Superlative am Samstag einen neuen Präsidenten. Experten rechnen mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem konservativen Amtsinhaber Muhammadu Buhari und dem liberalen Oppositionskandidaten Atiku Abubakar. Experten warnen, dass es bei einem knappen Wahlausgang zu Gewalt zwischen den Anhängern der beiden Lager kommen könnte, falls der unterlegene Kandidat das Ergebnis nicht anerkennen sollte.

Es steht viel auf dem Spiel: Nigeria ist mit knapp 200 Millionen Einwohnern Afrikas bevölkerungsreichstes Land, die größte Volkswirtschaft und auch der wichtigste Ölproduzent des Kontinents. Gleichzeitig leben in keinem Land der Welt mehr Menschen in extremer Armut. Das ist auch einer der Gründe, wieso viele Nigerianer nach Europa fliehen. Allein in Deutschland beantragten 2018 gut 11.000 Nigerianer Asyl, in Österreich waren es 670.

Die überraschende Verschiebung der Abstimmung am vergangenen Samstag nur Stunden vor der Öffnung der Wahllokale hat die Spannungen in dem westafrikanischen Land weiter verstärkt. Die seither geäußerten Verschwörungstheorien und Schuldzuweisungen der großen Parteien könnten das Vertrauen in die Wahlkommission weiter erschüttern, erklärt Nigeria-Experte Nnamdi Obasi von der Denkfabrik International Crisis Group. "Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit von Auseinandersetzungen und gewaltsamen Zusammenstößen während und nach der Wahl", so Obasi.

Die Ratingagentur Fitch erklärt, die Verschiebung dürfte zu einer niedrigeren Wahlbeteiligung führen, was ein Vorteil für Amtsinhaber Buhari wäre. Dieser half nach der Verschiebung auch nicht dabei, die Wogen zu glätten: Er drohte möglichen Wahlbetrügern sogar mit dem Tod. Die Wahl 2015 war friedlich verlaufen, nach der umstrittenen Wahl 2011 waren jedoch rund 1000 Menschen bei Ausschreitungen ums Leben gekommen.

Wahlberechtigt sind rund 84 Millionen Nigerianer. Um das Amt des Staatschefs bewerben sich 72 Kandidaten. Um die Wahl zu gewinnen, braucht ein Kandidat sowohl eine absolute Stimmenmehrheit als auch mindestens 25 Prozent der Stimmen in zwei Dritteln der 36 Bundesstaaten. Bei der Wahl wird auch ein neues Parlament bestimmt.

Terror im verarmten Nordosten

Wer auch immer die Wahl gewinnt, muss sich der Krise im verarmten Nordosten des Landes stellen: Dort terrorisieren sunnitische Extremisten die Bevölkerung. Mindestens zwei Millionen Menschen sind auf der Flucht vor der Gewalt. Buhari hatte die Wahl 2015 vor allem gewonnen, weil er versprach, den radikalen Islamisten ein Ende zu bereiten. Unter seiner Führung machte das Militär große Fortschritte. Buhari bezeichnete die Islamisten sogar als "technisch besiegt". Doch das war voreilig: Die Islamisten erstarkten zuletzt wieder.