Hanoi/Wien. Charlie Chaplin und Graham Greene waren auch schon dort. Nämlich im luxuriösen Fünf-Sterne-Hotel Metropole, das während der französischen Kolonialherrschaft in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi erbaut wurde. Chaplin verbrachte in dem Haus seine Flitterwochen, und Greene soll dort seinen legendären Roman "Der stille Amerikaner" geschrieben haben.

Dessen Titel passt nicht sonderlich zu einem Gast, der sich dieser Tage in dem Hotel aufhält: US-Präsident Donald Trump führt dort Gespräche mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un. Das Metropole ist der Austragungsort des zweitägigen Gipfels zwischen den beiden Staatschefs.

Der Mittwoch diente dabei lediglich einem ersten Austausch der Positionen. Einem Abendessen der beiden Delegationen folgte ein Vieraugengespräch der beiden Staatschefs. Vorab gab es aber schon einmal für die Kameras ein betont freundschaftliches Händeschütteln. Trump zeigte sich optimistisch, dass der Gipfel mit Kim, zu dem er "ein sehr, sehr gutes Verhältnis" habe, erfolgreich sein werde. Gleichzeitig betonte er, dass er keine Abstriche bei seinen Forderungen nach einem Ende von Nordkoreas Atomwaffenprogramm machen werde. Und auch Kim sagte, er sei zuversichtlich, dass dieses Treffen "ein herausragendes Ergebnis" bringen wird.

Beide Seiten stehen auch ein wenig unter Druck, dass sie sich bei diesem Gipfel auf Vorzeigbares einigen. Bei ihrem letzten Treffen in Singapur im Juni vergangenen Jahres sind sie übereingekommen, auf eine Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel hinzuarbeiten. Das war sehr allgemein formuliert. Nun wird erwartet, dass beim Treffen in Hanoi zumindest erste konkrete Schritte verkündet werden, wie die beiden Seiten dieses Ziel erreichen wollen. Am Mittwoch wurde verkündet, dass sie am Donnerstag eine gemeinsame Erklärung unterzeichnen wollen.

Klar war dabei im Vorfeld aber nur, mit welchen Vorstellungen sie in die Verhandlungen gingen: Die USA fordern von Nordkorea, das seine Atom- und Raketentests vorerst gestoppt und Tunnel am Atomtestgelände Punggye-ri gesprengt hat, weitere, überprüfbare Maßnahmen zur Abrüstung. Nordkorea fordert wiederum von den USA eine Lockerung der Sanktionen.

Sanktionen als Hindernis

Die Strafmaßnahmen hatte der UN-Sicherheitsrat wegen Nordkoreas Atomwaffenprogramm ausgesprochen, die USA haben sie noch einmal ergänzt und verschärft. Wenn nun aber Trump die US-Sanktionen lockert, wäre der nächste logische Schritt, dass auch im UN-Sicherheitsrat die Maßnahmen gegen Nordkorea entschärft werden. Das hätte Auswirkungen auf die ganze Region.