Peking/Washington. (reu/rs) Lange hatte es danach ausgesehen, als sei eine Lösung im Handelsstreit zwischen den USA und China nicht zu erreichen. Auf Zölle folgten stets neue Gegenzölle, die hochrangig besetzten Delegationen verhandelten in Peking und Washington oft tagelang, ohne einander auch nur einen Schritt näher zu kommen. Mehr als ein Jahr nachdem US-Präsident Donald Trump mit der Verhängung von hohen Einfuhrabgaben auf chinesische Solarmodule und Waschmaschinen den Konflikt vom Zaun gebrochen hat, deutet sich nun aber eine substanzielle Annäherung an. Ein Abkommen, mit dem eine neue Runde höherer Zölle der USA auf chinesische Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar abgewendet werden könne, sei in greifbarer Nähe, sagte eine mit den Verhandlungen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Larry Kudlow, der oberste Wirtschaftsberater des US-Präsidenten, sprach sogar von einer "Revolution" in den Handelsbeziehungen zwischen den USA und China.

Dass nach Monaten der Eskalation nun tatsächlich Tauwetter einsetzt, legt nicht zuletzt auch ein Bericht des "Wall Street Journals" nahe, demzufolge Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping die Einigung auf einem Gipfel Ende März besiegeln könnten. Demnach könnte Xi nach einem Besuch in Italien und Frankreich in die USA weiterreisen und um den 27. März herum in Trumps Privatklub Mar-a-Lago in Florida eintreffen. Dort waren die beiden Männer schon im April 2017 zu ihrem ersten Gipfel zusammengekommen.

Laut dem "Wall Street Journal", das sich auf Insider auf beiden Seiten beruft, scheint China bereit zu sein, die Zölle auf US-Importe insbesondere aus den Bereichen Landwirtschaft, Chemie und Autoindustrie zu senken. Teil der Einigung könnte zudem eine 18 Milliarden Dollar schwere Vereinbarung zur Lieferung von US-Flüssiggas nach China sein.

Börsen legen zu

Eine Annäherung dürfte es aber auch bei grundsätzlichen Dingen geben. Um zu erreichen, dass die USA ihre Strafzölle auf Einfuhren aus dem Reich der Mitte aufheben, ist die Führung in Peking offenbar auch gewillt, über gerechte Wettbewerbsbedingungen für Unternehmen und Investoren aus dem Ausland zu diskutieren. Im Raum steht dabei etwa, die Beschränkungen für ausländische Beteiligungen an Autofabriken früher aufzuheben als bisher geplant.

Einige Hürden scheinen trotz aller Fortschritte in den Gesprächen aber noch nicht ausgeräumt zu sein. So gibt es sowohl in der US-Regierung als auch in der chinesischen Führung dem Vernehmen nach Kritik daran, dass die Bedingungen für die jeweils andere Seite zu günstig seien.

Aufgrund der zuletzt immer häufigeren positiven Signale hatte Trump aber vor wenigen Tagen auch eine Fristverlängerung im Handelsstreit angekündigt. Am vergangenen Freitag wäre offiziell ein 90-tägiger "Waffenstillstand" ausgelaufen, den beide Seiten am Rande des Gipfels der großen Wirtschaftsnationen Anfang Dezember in Argentinien vereinbart hatten. Für den Fall, dass es innerhalb dieses Zeitraums zu keiner Einigung kommt, hatte Trump, der sich vor allem am hohen Handelsbilanzdefizit der USA mit China stößt, mit neuen Strafzöllen gedroht.

Die Hoffnung auf eine baldige Lösung des Konflikts sorgte dementsprechend auch für gute Laune an den Börsen, auf denen der Streit seit langem lastet. Nachdem Leitbörsen in Fernost am Montag deutlich befestigt aus dem Handel gegangen waren, verzeichneten auch die europäischen Aktienmärkte im Tagesverlauf durchwegs Kursgewinne. Die US-Leitindizes Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 stiegen zur Eröffnung am Montag ebenfalls jeweils rund 0,5 Prozent.

Ungelöster Konflikt mit Europa

Vergleichsweise wenig Hoffnung auf eine baldige Einigung im Handelskonflikt mit den USA gibt es derzeit allerdings für Europa. So schwebt die amerikanische Drohung mit Strafzöllen auf europäische Autos weiter wie ein Damoklesschwert über den Beziehungen zwischen Washington und Brüssel. VW-Chef Herbert Diess warnte zuletzt noch einmal eindringlich vor den Folgen von Sonderabgaben auf Autoimporte aus der EU. "Das wäre schwer zu verdauen. Es könnte uns zwei bis drei Milliarden Euro kosten - im schlimmsten Fall, bei 25 Prozent Zoll", sagte Diess dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Er sei aber zuversichtlich, dass es nicht so weit komme.

Das US-Handelsministerium hatte Mitte Februar einen Prüfbericht über eine Bedrohung der nationalen Sicherheit durch Autoimporte an Trump übergeben. Innerhalb von 90 Tagen muss dieser entscheiden, ob er auf dieser Grundlage Zölle von bis zu 25 Prozent auf Autoeinfuhren verhängt oder nicht.