Die US-Bürger wählen ihren Präsidenten nämlich indirekt über so genannte Wahlmänner und -frauen. Eine Methode, die sich die Väter der amerikanischen Verfassung im Jahr 1787 ausgedacht haben, um zu verhindern, dass die politisch ungebildete Bevölkerung ungeeignete Kandidaten in das höchste Staatsamt wählt. Dem "Electoral College" aus gebildeten und erfahrenen Bürgern sollte daher die letzte Entscheidung vorbehalten bleiben.

Mittlerweile erscheint das als Anachronismus: Rechtlich sind die Wahlmänner in ihrer Entscheidung nicht gebunden. Seit dem Entstehen des Parteiensystems werden sie aber von den Parteien oder Wahlkampfteams bestimmt. Und es wird selbstverständlich von ihnen wird erwartet, dass sie für den Parteikandidaten stimmen.

Entschieden wird am 2. November also streng genommen nur über die Zusammensetzung des "Electoral College", das erst sechs Wochen später formal das Staatsoberhaupt wählt. In diesem Kollegium sitzen die Vertreter der 50 Bundesstaaten und des District of Columbia mit der Hauptstadt Washington.

Laut Verfassung entsendet jeder Staat so viele Wahlmänner, wie er Senatoren und Abgeordnete im Repräsentantenhaus stellt. Bei 100 Senatoren und 435 Sitzen im Repräsentantenhaus plus den drei Wahlmännern für den District of Columbia zählt das Wahlkollegium also insgesamt 538 Mitglieder. Die für die Wahl eines Präsidenten erforderliche absolute Mehrheit beträgt also 270 Stimmen. Die meisten Wahlmänner und -frauen hat gegenwärtig Kalifornien mit 55, gefolgt von New York (31) und Florida (27).

Der Wahlmodus ist in den allermeisten Staaten nach dem Prinzip "winner takes all" geregelt: Wer in einem bestimmten Bundesstaat die meisten gültigen Stimmen erringt, sichert sich damit automatisch sämtliche Wahlmänner dieses Staates. Diese Regel ermöglichte bereits vier Mal, dass ein Präsident gekürt wurde, obwohl er nach der Gesamtzahl der Wählerstimmen eigentlich unterlegen war. (Siehe auch obenstehender Artikel)

Nur zwei Staaten weichen mittlerweile von der "Winner takes all"-Regel ab: Maine und Nebraska vergeben theoretisch einen Teil ihrer Wahlmännerstimmen nach dem landesweiten Wahlergebnis, einen Teil nach dem Ergebnis in den Wahlkreisen für die Kongresswahlen. In der Praxis kam dadurch aber bisher noch keine Aufteilung zustande, außerdem verfügen beide Staaten zusammen nur über neun Wahlmännerstimmen.

In Colorado allerdings wird an diesem 2. November gleichzeitig mit der Präsidentenwahl auch über die Einführung des ersten wirklichen Proporzwahlrechtes in einem US-Staat abgestimmt werden. Und: Es würde bei seiner Annahme auch bereits für diese Wahl gelten.

Der antiquierte Wahlmodus war und ist immer wieder Gegenstand politischer Dispute. Das in der jüngeren Vergangenheit meist als Alternativkonzept diskutierte Modell ist das der Direktwahl. Das Repräsentantenhaus sprach sich 1969 auch für einen Verfassungszusatz aus, wonach der Präsident direkt gewählt werden kann. Doch die Realisierung scheiterte, da sich im Senat nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit fand. Experten halten eine umfassende Änderung des Wahlrechts ohnehin für extrem unwahrscheinlich - vor allem deshalb, weil für die dafür nötige Verfassungsänderung eine Dreiviertelmehrheit nötig wäre - und das gegenwärtige System sehr vielen Staaten mehr Gewicht zumisst als ihnen bei einer Direktwahl zukäme.

Sollte im Wahlmännergremium kein Kandidat die absolute Mehrheit von 270 Stimmen erreichen, wählt das Repräsentantenhaus den Präsidenten unter den drei bestplatzierten Kandidaten. Dabei hat aber jeder Bundesstaat nur eine Stimme. Auf dieses Verfahren musste bisher erst zwei Mal zurückgegriffen werden: 1824, als sich John Quincy Adams erst auf diesem Weg gegen (seinen späteren Nachfolger) Andrew Jackson, William H. Crawford and Henry Clay durchsetzen konnte. Und das allererste Mal 1801, als sich Aaron Burr erst in diesem ultimativen Wahlgang seinem Gegner geschlagen geben musste - keinem Geringeren als Thomas Jefferson. n