Wien. (wak) Lange galt Krieg als etwas männliches, und die Beendigung desselben gehöre deswegen auch in Männerhand. Doch eine alte Weisheit besagt: Frieden ist mehr als die Abwesenheit von Krieg. Aber obwohl Frauen mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung darstellen, bedurften sie einer Erklärung des UN-Sicherheitsrats, um ihre Wichtigkeit in Friedensprozessen zu postulieren. Die UN-Resolution 1325 legte fest, dass Frauen gleichberechtigt in Friedensverhandlungen sowie den Wiederaufbau einzubeziehen sind.

Anlässlich des UN-Weltfrauentages präsentierte die österreichische Expertin Ursula Werther-Pietsch ihre Studie zu "Inclusive Peace - Frauen als Akteurinnen in Friedensprozessen". Werther-Pietsch ist derzeit Gastforscherin an der Landesverteidigungsakademie in Wien, in ihrem Vortrag beklagte die Privatdozentin für internationales Recht auch die Abwesenheit von weiblichen Abteilungsleitern im Verteidigungsministerium.

Dass eine UN-Resolution, die auf die Einbeziehung von Frauen pocht, tatsächlich für die Praxis notwendig war, zeigen die Zahlen: In den vergangenen 15 Jahren hat die weibliche Beteiligung an Friedensprozessen deren Erfolgswahrscheinlichkeit um 50 Prozent gesteigert, heißt es in dem "Meaningful Participation Report 2018" der UNO. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Abkommen länger als 15 Jahre hält, steigt um 35 Prozent, wenn Frauen daran beteiligt waren. Das gilt vor dem Hintergrund des wahrscheinlichen Fehlschlagens von 40 Prozent aller Friedensabschlüsse nach fünf Jahren, heißt es im UN-Weltentwicklungsbericht.

Wer über Frauen und Konflikte spreche, könne laut Werther-Pietsch drei Bereiche abgrenzen: Einerseits geht es darum, dass Frauen in militärisch dominierten Bereichen stärker vertreten sind. Daneben gibt es die geschlechterspezifische Gewalt an Frauen, unter anderem sexuellen Missbrauch. Und schließlich gibt es die eminente Bedeutung von Frauen in Friedensprozessen. Die Studie von Werther-Pietsch setzte sich hier sowohl mit dem Friedensabkommen als auch mit der Mediation auseinander.

Wenig Repräsentation auf staatlicher Ebene

Es scheint aber noch immer schwierig zu sein, Frauen in Friedensprozesse einzubinden - sonst würde es nicht die noch immer bestehende Unterrepräsentation von Frauen in Friedens- und Sicherheitsfragen geben. Das liegt etwa auch daran, dass der Staat oft als Adressat in Friedensverhandlungen wahrgenommen wird. Doch in der staatlichen Sphäre, bei den Entscheidungsträgern, sind Frauen wiederum nur in geringem Ausmaß vorhanden.

Die Statistik zeigt: Nur neun Prozent der Delegierten von Friedensverhandlungen sind Frauen, vier Prozent haben ein entsprechendes Abkommen unterschrieben, und maximal zwei Prozent der "Hauptverhandler" waren Frauen, schreibt Werther-Pietsch.

Die internationalen Verträge und Deklarationen zu dem Thema haben eine Aussage: Wenn Konflikte nicht nachhaltig gelöst werden, dann dreht sich die Spirale der Gewalt weiter. Ungleichheit, Gewalt, Konflikt und Fragilität verstärken sich gegenseitig. Frauen und Männer sind von den Konflikten unterschiedlich betroffen - weshalb es wichtig wäre, beide Positionen mit einzubeziehen. Während Männer mehrheitlich als Soldaten in Kampfhandlungen mit klarem Auftrag eingesetzt sind, sind Frauen der ständigen Unsicherheit ausgesetzt. Sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt ist in Konflikten und danach höher.

Gesellschaften mit ausgeprägten Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern und geschlechterspezifischer Gewalt tendieren leichter zu internen Konflikten. Damit schließt sich der Teufelskreis.