Washington D. C. Die Alleinherrschaft der alten weißen Männer ist Geschichte, seit den Zwischenwahlen 2018 ist es mit der konservativen Herrlichkeit im US-Kongress vorbei. Im Abgeordnetenhaus gewannen die Demokraten trotz gezielter Wahlkreis-Manipulationen der Republikaner 40 Sitze, seither stellen sie die Mehrheit. Die neuen Volksvertreter hatten ihre Plätze noch nicht eingenommen, als sich herauskristallisierte, wer aufseiten der Linksliberalen in den kommenden zwei Jahren die meiste Aufmerksamkeit im Kampf gegen US-Präsident Donald Trump bekommen wird: zwei Frauen, die in puncto Alter, Strategie und Stil kaum verschiedener sein könnten und trotzdem beide unbestritten effektiv sind.

Die eine ist eine 29-jährige Politnovizin aus New York, die binnen Monaten aus dem Nichts zur Zukunftshoffnung ihrer Partei aufgestiegen ist. Die andere ist eine rund fünfzig Jahre ältere Veteranin aus Kalifornien, die im Laufe ihrer Karriere schon alles gesehen hat. Ihre Namen: Alexandria Ocasio-Cortez und Nancy Pelosi.

Ob Green New Deal, Reichensteuer, der Umgang mit Social Media oder der mit den Antisemitismus-Vorwürfen gegen ihre Parteifreundin Ilhan Omar: Auch wenn ihnen Mainstream-Medien bei jeder Gelegenheit unterstellen, einander zu widersprechen, klappt es mit der Abstimmung ihrer individuellen Botschaften bisher erstaunlich gut. Was viel mit dem obersten gemeinsamen Ziel - der Ablöse Trumps als Präsident 2020 - und dem dafür nötigen Pragmatismus zu tun hat; aber auch mit gegenseitigem Respekt.

Nancy Pelosi wurde 1940 als Nancy Patricia D’Alesandro geboren, als einzige Tochter von sieben Kindern des süditalienisch-stämmigen Ehepaars Thomas D’Alesandro und Annunciata D’Alesandro. Das Polithandwerk hat sie von klein auf gelernt. Nicht als Teil der sogenannten "Ostküsten-Elite", wie der "Spiegel" jüngst über sie schrieb, sondern auf einem der gestern wie heute politisch wie gesellschaftlich härtesten Pflaster der USA: Baltimore, Maryland. Ihr Vater ist dort unter den letzten noch lebendigen Angehörigen seiner Generation nur als "Tommy The Elder" bekannt. Von 1947 bis 1959 diente er als Bürgermeister. Der "Ältere" deshalb, weil sein gleichnamiger Sohn den gleichen Job von 1967 bis 1971 ausfüllte.

Lieblingsfeindin der Republikaner

Die steilste Karriere machte aber Nancy - und das, obwohl sie vergleichsweise lange Abstand zum politischen Betrieb gehalten hatte. Erst Mitte der 1970er Jahre - da war sie längst verheiratet, mit ihrem Mann Paul nach San Francisco gezogen und hatte fünf Kinder - entschied sie sich, die Familientradition aufrechtzuerhalten. Zuerst wurde sie Chefin der kalifornischen Demokraten, 1987 zog sie ins Unterhaus ein.