13 Jahre Evo: Erst im Jänner gedachte er der Verfassung. - © afp/Raldes
13 Jahre Evo: Erst im Jänner gedachte er der Verfassung. - © afp/Raldes

Wien/Sucre. Boliviens Präsident Evo Morales ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich ein Hoffnungsträger der Armen und Indigenen in einen problematischen Politiker verwandeln kann.

Der einstige Koka-Bauer mit indigenen Wurzeln, der selbst auch an dem Prozess der neuen Verfassung 2009 beteiligt war, die noch immer als wegweisend in Sachen Inklusion gilt, ist inzwischen einer der am längsten dienenden Präsidenten der Welt. Dabei hilft ihm auch, dass er an der Verfassung vorbeiregiert. Im Oktober 2019 will er für seine vierte Amtszeit kandidieren. Eigentlich wäre nach der zweiten Periode schon Schluss gewesen. Doch mit diversen Tricks wurden Fakten geschaffen. Morales ist seit 2006 im Amt.

Auch die österreichische Bolivien-Expertin Isabella Radhuber sieht die Ausdehnung von Morales’ Amtszeit kritisch. "Man hat seit mindestens 2009 beobachten können, wie alternative Personen in seiner sozialistischen Partei MAS aktiv an den Rand gedrängt wurden. Das hat systematisch stattgefunden", erklärt Radhuber. Damit ist in der Partei weder Konkurrenz noch Nachwuchs erwachsen. Und der stärkste Gegenkandidat bei der Wahl im Oktober 2019 wird voraussichtlich der Konservative Carlos Mesa sein, der vor Morales Präsident war und nach Massenprotesten 2005 zurückgetreten war. Das politische Elitensystem ist auch in Bolivien wenig durchlässig. Dabei hätte mit der Verfassung 2009 alles anders werden sollen. Die Politologin Radhuber, die auch mehrere Bücher zu Bolivien veröffentlicht hat, nennt die Verfassung heute noch "bahnbrechend". Damals erarbeiteten in einem noch nie dagewesenen Prozess - weder in Bolivien noch weltweit - bisher marginalisierte Gruppen in gemeinschaftlicher Arbeit ein neues Staatsgesetz. Dabei wurde die "Plurinationalität" Boliviens festgeschrieben - wichtig für ein Land, in dem sich rund die Hälfte der Bevölkerung zu diversen indigenen Gruppen zugehörig fühlt. Auch gab es die Idee einer Co-Regierung, erzählt Radhuber. Dabei sollten die verschiedenen Gruppen Teil der Regierung werden, die so nicht nur aus Parteipolitikern bestehen sollte. Doch auch diese Idee wurde mit der Zeit ausgehöhlt.

Die territoriale Frage und der Ressourcenabbau

Bei manchen Gruppen, die Morales zu Beginn unterstützt haben, ist er inzwischen umstritten. Die Frage der territorialen Kontrolle und des Ressourcenabbaus entzweit Indigene und bäuerliche Gruppen, deren Schulterschluss Morales zur Wahl 2006 verholfen hat. Doch als 2011 eine Straße durch den Amazonas - gegen den Protest der dort lebenden Indigenen - gebaut wurde, bröckelte die Akzeptanz für Morales insbesondere bei indigenen Gruppen. Denn Morales ist, auch wenn er gerne sein indigenes Erbe betont, eher den bäuerlichen Gruppen verbunden sowie jenen jenseits der Armutsgrenze.