Bogota. Es vergeht kaum eine Nacht in Caracas, in der am Horizont der venezolanischen Hauptstadt nicht der helle Lichterschein von explodierenden Transformatoren zu sehen ist. User stellen die Bilder davon in die sozialen Netzwerke und fragen sich, was passiert da gerade in der venezolanischen Hauptstadt. Auch Tage nach dem massiven Stromausfall gibt es immer wieder vereinzelte Blackouts. Die Schuld dafür schieben sich die sozialistische Regierung von Präsident Nicolas Maduro und dessen Gegenspieler Parlamentspräsident Juan Guaido gegenseitig in die Schuhe.

Das regierungskritische Portal "Tal Cual" berichtet, der Verband der in der Elektroindustrie tätigen Mitarbeiter Fetraelec fordert in einer Stellungnahme den sofortigen Rücktritt des zuständigen Ministers Luis Alfredo Motta Domínguez, der in Personalunion auch Chef des staatlichen Energieversorgers Corpoelec ist. Ihn machen die Mitarbeiter für das Chaos der letzten Tage verantwortlich.

Korruption oder
gezielte Attacke?

Bereits im Februar hatten Mitarbeiter des Wasserkraftwerkes, dessen Ausfall für den Blackout hauptverantwortlich ist, auf die katastrophalen Zustände in der Firma hingewiesen. Vandalismus, fehlende Investitionen und Wartung hätten dafür gesorgt, dass die Stromversorgung gefährdet sei. Nur wenig später kam es zu dem massiven Stromausfall, der das ganze Land tagelang lahmlegte und für anarchistische Zustände im Land sorgte. "Verantwortlich für das ganze Chaos ist die Korruption", sagte Interimspräsident Juan Guaido. Maduro will ohnehin sein Kabinett umbilden, ob dann noch Platz für den umstrittenen Motta Domínguez ist, unter dessen Leitung es seit Jahren zu massiven Stromausfällen kommt, ist fraglich.

Die Regierung sieht die Infrastruktur dagegen als Opfer einer gezielten Attacke aus dem Ausland und der Opposition. Maduro spricht von einem Drei-Phasen-Modell: Ein Hacker-Angriff, eine elektromagnetische Attacke und schließlich physische Angriffe auf die Transformatoren. Handfeste Beweise hat Maduro bis dato nicht vorlegen können. Ein Journalist und Internetexperte, der die Thesen Maduros öffentlich in Frage stellte, wurde zwischenzeitlich als möglicher Drahtzieher festgenommen, aber nach massiven Protesten von Menschenrechtsorganisationen wieder freigelassen.

Maduro sucht nun im Ausland Hilfe, um seine Behauptungen auch belegen zu können. Die mit Caracas befreundeten Regierungen in Russland, China und Iran sollen in einer Kommission die Hintergründe aufklären. Allein das dürfte das Ergebnis wenig glaubwürdig machen, denn aus Moskau, Peking und Teheran kommen bislang ausschließlich Äußerungen, die das Maduro-Regime stützen. Die drei Länder haben ein geopolitisches und wegen ihrer Investitionen auch ein finanzielles Interesse an einem Machterhalt Maduros.