Washington. (rs) Seine ersten Gastgeschenke hat Jair Bolsonaro bereits vor dem großen Treffen mit US-Präsident Donald Trump überbracht. So hat das Parlament in Brasilia am Montag nicht nur einer Aufhebung der Visa-Pflicht für US-Bürger zugestimmt. Fast zeitgleich unterzeichnete der brasilianische Präsident, der seit Sonntag seinen ersten offiziellen Besuch in den USA absolviert, auch ein Abkommen, dass es den Vereinigten Staaten erlaubt, den an der brasilanischen Altantikküste gelegenen Weltraumbahnhof Alcantara für eigene Missionen zu nutzen. "Wir wollen Brasilien wieder groß machen, so wie Trump die USA wieder groß machen will", sagte Bolsonaro bei Unterzeichnung des Dokuments in der US-Handelskammer in Washington.

Gleiche Ziele, gleicher Stil

Um Trump seine Wertschätzung zu versichern, hätte der seit Jänner amtierende Bolsonaro aber wohl weder Gastgeschenke noch die jüngsten warmen Worte gebraucht. Denn der ultrarechte brasilianische Präsident, der am Dienstag von Trump im Weißen Haus empfangen werden sollte, hat schon im Wahlkampf immer wieder deutlich gemacht, dass er den Immobilen-Tycoon aus New York als großes Vorbild betrachtet. So verbindet die beiden Männer nicht nur ihre nationalistische Haltung und die Ablehnung multilateralerer Bündnisse. Auch beim Thema Klimawandel folgt der häufig auch als "Trump der Tropen" bezeichnete Bolsonaro den Spuren des US-Präsidenten und liebäugelt immer wieder mit einem Austritt aus dem wegweisenden Pariser Klimaschutzabkommen.

Doch nicht nur inhaltlich ist die Schnittmenge zwischen Trump und Bolsonaro groß, auch der Stil der beiden selbst erklärten Anti-Establishment-Politiker ist ähnlich. Denn ebenso wie der US-Präsident setzt auch der ehemalige Fallschirmjäger-Offizier auf markige Worte und gezielte Grenzüberschreitungen. So äußerte sich der Bewunderer der brasilianischen Militärdiktatur in der Vergangenheit immer wieder negativ und herablassend über Schwule, Indigene, Schwarze und Frauen. Und im Kurznachrichtendienst Twitter zieht Bolsonaro ebenso wie sein großes Vorbild gegen politische Gegner und die "Lügenpresse" zu Felde.

Brasilien in die Nato?

Dass Bolsonaro gerne eine stärkere Annäherung Brasiliens an die USA sehen würde, ist folglich wenig überraschend. "Wie haben weltweit gute Beziehungen", sagte der brasilianische Präsident am zweiten Tag seines Besuchs in Washington. "Aber ich strecke hier meine Hand aus, weil unser Verhältnis zu den USA immer wichtiger wird."

Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu verbessern dürfte dabei nicht allzu schwer fallen. Denn unter den Links-Regierungen, die im vergangenen Jahrzehnt die Geschicke Brasiliens bestimmt hatten, wurden die USA überwiegend kritisch beäugt. "Sogar die freundlichste brasilianische Regierung war in der Realität nicht wirklich freundlich", wird ein anonym bleiben wollender hochrangiger US-Regierungsmitarbeiter von der Nachrichtenagentur Reuters zitiert. "Jetzt haben wir eine Regierung in Brasilien, die wir als echten Verbündeten betrachten." Trump selbst sprach am Dienstag sogar davon, Brasilien in die Nato zu holen wollen.

Gänzlich frei von Misstönen war Bolsonaros dreitägiger US-Besuch allerdings dennoch nicht. So hat Brasilien bisher wenig Interesse daran gezeigt, seinen wichtigsten Handelspartner China zu vergrätzen und sich im von Trump angezettelten Handelstreit auf die Seite der USA zu schlagen. Stattdessen stellte Brasiliens Wirtschaftsminister Paulo Guedes den Amerikanern die Rute ins Fenster: Wenn die USA nicht an vertieften Handelsbeziehungen interessiert wären, würde eben China diese Lücke füllen.