Baghouz  Die letzte Bastion der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) im syrischen Baghouz ist nach Angaben kurdisch-arabischer Kämpfer gefallen. Das vom IS ausgerufene "Kalifat" sei "vollständig eliminiert", erklärte ein Sprecher der von den USA unterstützten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF). Er verkündete eine "hundertprozentige territoriale Niederlage" der Dschihadisten.

Der Ort Baghouz sei befreit und der militärische Sieg erzielt worden, teilte der Sprecher der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), Mustafa Bali, am Samstag über Twitter mit.  Die Kurden haben den Sieg mit einer Militärzeremonie gefeiert. SDF-Kommandant Maslum Kobane sagte: "Wir stehen hier, um den Sieg über Daesh zu verkünden." Daesh ist die arabische Abkürzung für die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Bei der Zeremonie wehten neben den Fahnen der SDF auch US-Flaggen. Die von den USA angeführte internationale Anti-IS-Koalition unterstützte die Offensive aus der Luft. "Die Freude über den Sieg ist unermesslich", sagte SDF-Kommandant Adnan Afrin der Deutschen Presse-Agentur. "Unsere gelben Fahnen wehen jetzt über Baghouz."

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Erneuter Beschuss

Das Weiße Haus hatte bereits am Freitag die Vertreibung des IS aus Baghouz verkündet, obwohl die Kämpfe zu dem Zeitpunkt laut SDF noch andauerten. Die letzte IS-Bastion war am Freitagmorgen nach zweitägiger Pause wieder unter Beschuss genommen worden. Die Offensive zur Befreiung von Baghouz hatte am 9. Februar begonnen. Die Dschihadisten leisten erbitterten Widerstand.

Der IS hatte 2014 weite Teile Syriens und des Irak unter seine Kontrolle gebracht und ein "Kalifat" ausgerufen. Im Irak galt er bereits als besiegt. Mit der Einnahme von Baghouz ist das "Kalifat" nun Geschichte. Die Dschihadisten sind aber weiterhin in der Badia-Wüste präsent und haben in Syrien und dem Irak zahlreiche Schläferzellen, die immer wieder Anschläge verüben.

Die vollständige Einnahme von Baghouz soll faktisch das Ende der IS-Herrschaft in der Region besiegeln. Mehr als 60.000 Menschen sind nach Angaben der SDF-Rebellen in den vergangenen zwei Monaten aus dem umkämpften Gebiet an der irakischen Grenze geflohen. Etwa 5.000 IS-Kämpfer hätten sich ergeben.

 Monatelange heftige Kämpfe

Damit erreicht der Krieg gegen den IS in Syrien und im Irak nach fast fünf Jahren sein vorläufiges Ende. Die Extremisten hatten im Sommer 2014 den Höhepunkt ihrer Macht erreicht, als sie die nordirakische Millionenstadt Mosul überrennen konnten. Kurz darauf rief die Terrormiliz ein "Kalifat" unter Führung von IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi aus, der sich in einer Moschee Mosuls bei einer Freitagspredigt das bisher einzige Mal öffentlich zeigte.