Washington/Jerusalem. (rs) Das größte Geschenk hatte Donald Trump schon Ende der vergangenen Woche mit einer knappen, aber wirkmächtigen elektronischen Botschaft überreicht. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter hatte sich der US-Präsident dafür ausgesprochen, die bisherige US-Politik auf den Kopf zu stellen und Israels Souveränität über die besetzten Golan-Höhen anzuerkennen. Für den israelische Premierminister Benjamin Netanjahu blieb bei seinem Besuch in Washington am Montag damit nicht viel mehr zu tun, als dieses Geschenk mit vielen dankenden Worten auch formell abzuholen. Im Beisein des Israelis unterzeichnete Trump im Weißen Haus ein entsprechendes Dekret über den geänderten Status des knapp 1000 Quadratkilometer großen Gebiets.

Die Anerkennung der Golan-Höhen als israelisches Territorium, die Netanjahu in Washington als Akt der "historischen Gerechtigkeit" bezeichnete, ist bereits die vierte große Geste des US-Präsidenten in Richtung des israelischen Premiers. Bereits 2017 hatte Trump einseitig Jerusalem als Israels Hauptstadt anerkannt. Im Mai vergangenen Jahres ließ er dann die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegen und verkündete den Ausstieg aus dem von Netanjahu immer wieder als "katastrophal" bezeichneten Atomabkommen mit dem Iran an. Doch niemals dürfte Netanjahu die Schützenhilfe Trumps notwendiger gehabt haben als derzeit. Denn knapp zwei Wochen vor den israelischen Parlamentswahlen kämpft der 69-Jährige daheim politisch ums Überleben.

Viele Probleme daheim

Zu schaffen macht Netanjahu dabei vor allem der kometenhafte Aufstieg von Benny Gantz, dessen Blau-Weiß-Liste sich in den Umfragen mittlerweile ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem regierenden Likud liefert. Der charismatische Ex-Armeechef positioniert sich mit seinem Wahlbündnis, dem auch die Zentrumspartei Yesh Atid des Ex-Fernsehmoderators Yair Lapid angehört, ganz gezielt in der politischen Mitte und hat es damit binnen weniger Wochen geschafft, zur Galionsfigur der bisher zersplitterten Netanjahu-Gegner zu werden.

Gantz ist allerdings nicht Netanjahus einziges Problem. Der konservative Regierungschef, der seinen US-Besuch wegen der Raketenangriffe aus dem Gazastreifen am Montag bereits vorzeitig beenden wollte (siehe Artikel unten), ist den vergangenen Monaten auch durch diverse Korruptionsvorwürfe immer stärker unter Druck gekommen. So ist in drei Fällen bereits eine Anklage geplant, ein vierter Fall, bei dem es um den Kauf deutscher U-Boote geht, kocht gerade gefährlich hoch.

Die Unterstützung Netanjahus, der daheim riesige Wahlkampfplakate affichieren hat lassen, die ihn beim Handschlag mit Trump zeigen, ist allerdings nicht ausschließlich ein Freundschaftsdienst des US-Präsidenten. Vielmehr ist es ein Geschäft, von dem auch der Mann im Weißen Haus profitiert. So muss sich Trump zwar erst wesentlich später als Netanjahu den Wählern stellen, doch knapp eineinhalb Jahre vor der nächsten US-Präsidentschaftswahlen beginnt auch für Trump die Uhr schon langsam zu ticken. Und Israel ist ein Thema, mit dem er zu Hause punkten kann.

Besonders gilt das für die evangelikalen Christen in den Vereinigten Staaten, die eine der wichtigsten Stützen des New Yorker Immobilientycoons darstellen. Diese Gruppe, der knapp ein Viertel aller US-Amerikaner angehören, stößt sich zwar an Trumps rhetorischen Ausfällen, die nur allzu oft im Gegensatz zu den christlich-konservativen Grundwerten der Evangelikalen stehen, doch Israel und vor allem die Jerusalem-Frage sind ihnen Herzensangelegenheiten.

Noch Luft nach oben

Für Trump gibt es bei den Evangelikalen aber noch immer Luft nach oben. So zeigten sich bei einer in der ersten Jänner-Hälfte durchgeführten und jetzt veröffentlichten Umfrage des Pew Research Center zwar sieben von zehn befragten weißen Evangelikalen hochzufrieden mit Trumps Politik. Zu Beginn seiner Präsidentschaft hatte Trump allerdings noch acht von zehn Evangelikalen hinter sich.

Dass Trump die Israel-Karte systematisch zu spielen versucht hat, hat sich auch in den vergangenen Wochen schon öfters gezeigt. So nutzte der US-Präsident Mitte März umstrittenen Aussagen der muslimischen Kongressabgeordneten Ilhan Omar dazu, deren Demokratischer Partei insgesamt Israel-Feindlichkeit und Antisemitismus zu unterstellen. Eine Botschaft, die Trump am Freitag dann noch ein Mal bekräftigte: Die Demokraten seien "total gegen Israel. Offen gesagte denke ich, sie sind antijüdisch", sagte der republikanische Präsident.