Mexiko-Stadt/Madrid. Der mexikanische Präsident Andres Manuel Lopez Obrador hat König Felipe von Spanien und Papst Franziskus in Briefen dazu aufgefordert, sich für die spanische Eroberung und Unterwerfung indigener Völker im 16. Jahrhundert zu entschuldigen.

Es habe sich um eine Invasion gehandelt, während der willkürlich die Völker unterworfen worden seien, sagte Lopez Obrador in einer Video-Botschaft, die am Montag (Ortszeit) in Sozialen Netzwerken veröffentlicht wurde. Es dauerte nicht lange, bis die Briefe an König Felipe VI. und an Papst Franziskus in Spanien auf Ablehnung und auch Entrüstung stießen.

Regierung lehnt ab

Die Regierung unter dem sozialistischen Ministerpräsidenten Pedro Sanchez lehnte eine Entschuldigung schnell und energisch ab. Der Inhalt des Briefs werde "mit aller Bestimmtheit zurückgewiesen", hieß es in einer am Dienstag verbreiteten Mitteilung. Die Ankunft der Spanier vor fünf Jahrhunderten im heutigen Mexiko könne "aus zeitgenössischer Sicht nicht beurteilt werden".

Weniger diplomatisch äußerten sich Politiker der Opposition, Journalisten und Zeitungsleser. Der Spitzenkandidat der liberalen Ciudadanos bei der Parlamentswahl vom 28. April, Albert Rivera, bezeichnete Lopez Obrador als "Linkspopulisten", "der die Geschichte fälscht und die Konfrontation sucht". Seine Forderung sei eine "unerträgliche Beleidigung" aller Spanier. Rafael Hernando, einer der wichtigsten Vertreter der konservativen Volkspartei (PP), schrieb unterdessen auf Twitter: "Man muss diesen Herrn (Lopez Obrador) daran erinnern, dass wir Spanier dorthin gegangen sind und der Macht jener Stämme ein Ende gesetzt haben, die ihre Nachbarn grausam ermordet haben."

Mord an Kaiser Maximilian

In den morgendlichen TV-Talk-Sendungen regten sich auch viele Journalisten auf. "Mexiko soll sich erstmal für den Mord an Kaiser Maximilian I. entschuldigen", rief zum Beispiel einer. Der Habsburger, Bruder von Kaiser Franz Joseph, wurde entmachtet, zum Tode verurteilt und im Juni 1867 durch Erschießen hingerichtet.

Auf der Homepage der Zeitung "El Pais" hatte der Bericht über die Forderung Mexikos bis Dienstagmittag bereits knapp 5.000 Leser zu Kommentaren veranlasst. Die meisten beschimpften den mexikanischen Präsidenten. Lopez Obrador solle sich lieber um Korruption, Drogenhandel und Mordwelle in seinem Land kümmern, so der Tenor.

Lopez Obrador hatte zuvor gesagt, die spanische Eroberung sei mit Schwert und Kreuz erfolgt. Er habe die Briefe gesendet, damit die Missstände beachtet würden und die betroffenen Völker eine Entschuldigung für die Verletzung der Menschenrechte erhielten. Er hoffe, dass 2021 ein Jahr der "historischen Aussöhnung" werde.

2021: Ein historisches Jahr

2021 jähren sich gleich drei für die Geschichte Mexikos wichtige Ereignisse. Vor 500 Jahren (1521) fiel die damalige Azteken-Hauptstadt Tenochtitlan an die Spanier, 1321 war diese gegründet worden. 1821 erlangte Mexiko dann die Unabhängigkeit. Dies sei die Zeit, sich zu versöhnen, sagte der Präsident. "Aber zuerst bitten wir um eine Entschuldigung." Er werde sich ebenfalls für Verbrechen an indigenen Völkern und anderen Minderheiten nach der Unabhängigkeit Mexikos von Spanien entschuldigen.

Die Regierung in Madrid bedauerte unter anderem auch, dass der Inhalt des Briefs von Lopez Obrador selbst öffentlich gemacht worden sei. Das Schreiben war nach Angaben aus Madrid bereits am 1. März bei der spanischen Regierung eingegangen. (apa, dpa)