Der ehemalige Chefberater von US-Präsident Donald Trump und frühere Chef von Breitbart News legte den ideologischen Grundstein für das Projekt. In einem Video-Vortrag im Jahr 2014 auf einer vom DHI ausgerichteten Konferenz in der päpstlichen Akademie der Wissenschaften im Vatikan warnte Stephen Bannon vor dem "militanten Säkularismus" und einem "wildgewordenen Kapitalismus". Außerdem wähnte er den Westen am "Beginn eines sehr brutalen und blutigen Konflikts" mit dem "dschihadistisch-islamischen Faschismus" und empfahl eine "sehr, sehr, sehr aggressive Haltung" gegen den radikalen Islam. Aus der Ansprache drang förmlich Bannons Angriffslust. "Der Vortrag war die Blaupause für unser Projekt", sagt Harnwell über die Rede seines Freundes. Seinen Kompagnon sieht der Brite auch als Lehrer und "Quelle der Inspiration".

Fall Buttiglione als Startschuss

Seit 2014 stehen beide in engem Kontakt, man ist voll des Lobes füreinander und korrespondiert laut Harnwell täglich. Bannon bezeichnete Harnwell als "den schlauesten Typen in Rom", auf der DHI-Webseite hebt der Brite dieses Zitat wie einen populistischen Ritterschlag hervor. Harnwell wiederum hält Trumps ehemaligen Chefberater für "die größte Figur zur Verteidigung der christlich-jüdischen Fundamente auf der Weltbühne". Äußerlich hat er sich seinem Idol ebenfalls angenähert, der Brite trägt schwarze Slipper, eine Art Bannon-Frisur und als Schutz gegen die kühlen Mauern von Trisulti eine Wolljacke samt dicker Daunenweste über dem weißen Hemd, wie man sie vom Original kennt.

Vielleicht geht es in den Bergen bei Rom nicht nur um die Wegbereitung eines aggressiven Extremismus, sondern schlicht auch um persönliche Anerkennung. Harnwell stammt aus einer britischen Mittelklassefamilie, arbeitete lange für einen konservativen britischen EU-Abgeordneten in Brüssel und konvertierte 2004 zum Katholizismus. Das DHI gründete er als christlich-konservatives Flaggschiff, nachdem der katholische Berlusconi-Mitstreiter Rocco Buttiglione 2004 wegen umstrittener Äußerungen über Homosexuelle und Frauen als EU-Kommissar verhindert wurde. Das war der Startschuss für Harnwells Mission, an der sich zwölf Kardinäle und der frühere Großmeister des katholischen Malteser-Ordens, Matthew Festing, als Schirmheeren beteiligen. "Die Basis dessen, was wir tun, ist Jesus Christus", behauptet Harnwell. Das hindert ihn aber nicht, laufend mit martialischen Begriffen wie "Verteidigung", und "Kampf" um sich zu werfen.

US-Ideologe Bannon soll in Trisulti einen Workshop über Medien abhalten, wer die anderen Dozenten sind, will der Veranstalter nicht sagen. Auch die Geldgeber des Projekts werden geheim gehalten, offenbar handelt es sich aber vor allem um vermögende private Finanziers aus dem Pro-Life-Milieu in den USA. Auch Steven Bannon hat Geld gespendet. Entgegen einigen Spekulationen zählt Prinzessin Gloria von Thurn und Taxis nicht zu den Finanziers. Sie ist aber im römischen Dunstkreis von Harnwell und Bannon unterwegs und pflegt engen Kontakt zum DHI-Ehrenvorsitzenden und Franziskus-Opponenten Kardinal Raymond Leo Burke.

"Ich liebe Prinzessin Gloria"

Im vergangenen Juni feierte die Prinzessin den 80. Geburtstag des von Franziskus geschassten Kardinals in einem traditionalistischen Priesterseminar in der Toskana. Gloria saß in unmittelbarer Nähe des Geehrten, während Seminaristen in Schürzen eine mit Kardinalshut und roten Rosen verzierte Torte servierten. In konservativen deutschen Kirchenkreisen in Rom hat sich das Verhältnis zur als geizig und eigennützig verschrieenen Prinzessin offenbar abgekühlt. In Trisulti ist man hingegen voll des Lobes für die erzkatholische Aristokratin.