Tripolis. Trotz der zuletzt verstärkten Gefechte soll dort eine seit langem geplante nationale Konferenz wie vorgesehen stattfinden. Das betonte der UN-Sondervermittler Ghassan Salame am Samstag vor Journalisten in der libyschen Hauptstadt Tripolis. Auf dem Treffen soll ein Plan vereinbart werden, der Wahlen in dem seit dem Sturz von Machthaber Muammar Gaddafi 2011 zerrissenen nordafrikanischen Land vorbereiten soll. Die Konferenz ist für den Zeitraum vom 14. bis 16. April in der Stadt Ghadames angesetzt.

Zuvor hatten sich die UN besorgt über den Vormarsch von Truppen des libyschen Rebellen-Kommandeurs Chalifa Haftar auf die Hauptstadt Tripolis gezeigt. Der deutsche UN-Botschafter Christoph Heusgen, der dem Sicherheitsrat derzeit als Präsident vorsitzt, verlas am Freitag eine entsprechende Mitteilung des Gremiums. Der Rat fordere von Haftars Libyscher Nationalarmee (LNA), "alle militärischen Bewegungen zu beenden".

Ähnlich äußerten sich am Samstag die Außenminister der sieben größten Industriestaaten (G7) in einer gemeinsamen Erklärung nach ihrem Treffen im französischen Dinard. Bundesaußenminister Heiko Maas sagte, um eine weitere militärische Zuspitzung zu verhindern, müsse internationaler Druck auf die Verantwortlichen in Libyen ausgeübt werden, insbesondere auf Haftar. Libyen ist ein wichtiges Transitland für Flüchtlinge, die Europa erreichen wollen. Außerdem riefen die G7-Minister die verfeindeten Parteien dazu auf, die Ölanlagen des Landes nicht für eigene politische Interessen zu missbrauchen.

International anerkannte Regierung gerät unter Druck

Ägyptens Außenminister Sameh Schukri sagte nach Unterredungen mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow in Kairo, die Krise im benachbarten Libyen könne nicht mit militärischen Mitteln gelöst werden. Lawrow forderte, alle politischen Kräfte in dem Land müssten eine Einigung finden. Er warnte zugleich vor Einmischungen aus dem Ausland.

Die international anerkannte Regierung Libyens gerät durch den Vormarsch rivalisierender Milizen immer stärker unter Druck.

Haftars Truppen erreichten nach eigener Auskunft am Freitag die südlichen Außenbezirke von Tripolis und übernahmen die Kontrolle über den früheren internationalen Flughafen. In der Hauptstadt herrscht mit Ministerpräsident Fajes al-Serradsch die offizielle Führung des Landes. Am Samstag gab es zunächst keine Berichte über größere Kämpfe.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres hatte sich mit Haftar getroffen, um einen Bürgerkrieg abzuwenden. Nach seiner Abreise erklärte er über den Kurznachrichtendienst Twitter: "Ich verlasse Libyen mit schwerem Herzen und tief besorgt. Ich hoffe weiterhin, dass es möglich ist, eine blutige Konfrontation in und um Tripolis zu verhindern."