Neu-Delhi/Wien. (klh) Der Schritt wurde als Kampfansage an Premier Narendra Modi interpretiert: Ausgerechnet im Bundesstaat Uttar Pradesh, in dem Modi seinen Wahlkreis hat, machte die indische Kongresspartei Priyanka Gandhi zur Vorsitzenden. Die 47-Jährige ist schlagfertig, eine gute Rhetorikerin und weiß sich volksnah zu geben - und das macht sie zur großen Hoffnungsträgerin ihrer Partei. Nun soll sie in dem mit rund 200 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Bundesstaat Stimmen für die Kongresspartei bei der Parlamentswahl holen, die am Donnerstag beginnt und mehrere Wochen dauert.

Die Kongresspartei hat sich aus ihrer Schockstarre gelöst: Keine Partei hat die indische Politik so geprägt und so viele Premiers gestellt wie die säkulare linksliberale Bewegung. Nach der verheerenden Wahlniederlage 2014, bei der die hindunationalistische BJP die absolute Mehrheit errang, trieb der Aufsteiger und frühere Teeverkäufer Narendra Modi die frühere Staatspartei vor sich her. Doch seitdem die Kongresspartei im vergangenen Jahr die Regionalwahlen in drei strategisch wichtigen Bundesstaaten gewonnen hat, hat sie wieder Morgenluft gewittert.

Die Wahlsiege waren ein großer Achtungserfolg für Rahul Gandhi, dem Bruder von Priyanka Gandhi, der seit 2017 der Vorsitzende der Kongresspartei ist. Die Geschwister stammen aus der Nehru-Gandhi-Familie, die seit der Unabhängigkeit Indiens 1947 bereits zwei Premierminister und mit Indira Gandhi auch eine Regierungschefin gestellt hat. Die BJP wirft den Gandhis daher vor, vom Nepotismus zu profitieren und diesen in der Kongresspartei nahtlos fortzusetzen.

Die Gandhis wiederum greifen Modi, dessen BJP weiterhin favorisiert in die Wahl geht, wegen dessen durchwachsener wirtschaftlicher Bilanz an. Die versprochenen Arbeitsplätze sind vielerorts nicht geschaffen worden. Außerdem weckt eine 2016 eilig durchgeführte Bargeldreform, bei der die Geldscheine knapp wurden, bei vielen Indern noch immer düstere Erinnerungen.

Die Kongresspartei versucht nun der BJP ihre Wähler, etwa unter frustrierten Bauern, abzugraben. Wenn die Gandhi-Geschwister gemeinsam auftreten, hält sich Priyanka angeblich ein wenig zurück. Die charismatische Politikerin will demnach dem Parteichef nicht die Show stehlen.