Jakarta/Wien. Indonesien: Das ist Korruption, ein maroder Gesundheitssektor und mangelnde Infrastruktur - vor allem aber ein Land schier unglaublicher Dimensionen. Es zählt mehr als 6000 bewohnte Inseln, erstreckt sich von Banda Aceh auf Sumatra bis Neuguinea, mehr als 5000 Kilometer von West nach Ost, vergleichbar der Entfernung von Lissabon bis weit hinter Moskau. Indonesien, Land der Superlative: Mit 250 Millionen Einwohnern ist es eine der größten Demokratien der Welt, es ist Mitglied der G20, der reichsten Wirtschaftsnationen. Und es gibt keinen Staat mit mehr Muslimen.

Am kommenden Mittwoch wird in diesem schillernden Riesenreich ein neues Staatsoberhaupt gewählt. Präsident Joko Widodo bemüht sich um eine zweite Amtszeit, wie vor fünf Jahren kommt es zu einem Duell mit dem Ex-General Prabowo Subianto. Glaubt man den Umfragen, gewinnt Widodo auch diesmal das Rennen gegen den Schwiegersohn des früheren Diktators Suharto. Und zwar diesmal ganz deutlich.

Islamisten als Wahlsieger?

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Und es ziehen dunkle Wolken im Urlauberparadies auf. Islamisten fassen Fuß und beide Bewerber um das höchste Amt wollen sich religiöse Radikalisierungstendenzen zunutze machen: Widodo hat als Kandidaten für die Vizepräsidentschaft Imam Maaruf Amin erkoren, der Homosexualität unter Strafe stellen will. Und sein Konkurrent lässt sich von Radikalen unterstützen, die die Scharia einführen wollen. Für Kritiker steht der Wahlsieger schon jetzt fest: die Religiösen.

Das steinreiche Sultanat Brunei, auf Borneo gelegen, hat erst vor wenigen Tagen demonstriert, was alles möglich ist. Dort gilt für gleichgeschlechtlichen Sex die Todesstrafe durch Steinigung. Alle internationalen Proteste gegen das Scharia-Gesetz blieben wirkungslos. Dieben werden Arme und Beine amputiert - eine Rechtspraxis, die auch in Saudi-Arabien angewandt wird. In einem kleinen Eck Indonesiens, der halbautonomen islamistischen Provinz Aceh, werden Ehebrecher ebenfalls gesteinigt. Wird ein junges Paar beim Händchenhalten erwischt, drohen Peitschenhiebe.

Noch ist Indonesien keine "Islamische Republik" wie etwa der Iran oder Pakistan. Laut Verfassung sind Islam, Christentum, Konfuzianismus, Buddhismus und Hinduismus gleichberechtigt. Zudem sind Demokratie, Humanismus und soziale Gerechtigkeit integraler Bestandteil der Staatsdoktrin. Zu Beginn der Eigenständigkeit nach 1949, als die niederländische Kolonialherrschaft abgeschüttelt werden konnte, war davon freilich keine Rede. Die Machthaber Sukarno und Suharto unterdrückten religiöse und sozialistische Gruppierungen mithilfe der Armee, es kam zu regelrechten Massakern. Erst nach dem Rücktritt Suhartos 1998 wurde Indonesien zu einem demokratischen Staat, in dem die Menschen liberale Bürgerrechte hatten.